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DIE

DEUTSCHEN MANDEVILLE-VERSIONEN

HANDSCHRIFTLICHE UNTERSUCHUNGEN voN

ARTHUR SCHOERNER

LIC. PHIL.

INAUGURALDISSERTATION

ZUR ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE, MIT GENEHMIGUNG DER HUMANISTISCHEN SEKTION DER PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT ZU LUND, SONNABEND, DEN 14. MAI 1927, UM 10 UHR VORMITTAGS IM HÖRSAAL A,

IN DEUTSCHER SPRACHE ZU VERTEIDIGEN

LUND HÄKAN OHLSSONS BUCHDRUCKEREI 1927

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DIE

DEUTSCHEN MANDEVILLE-VERSIONEN

HANDSCHRIFTLICHE UNTERSUCHUNGEN

AKADEMISCHE ABHANDLUNG

VON

ARTHUR SCHOERNER

LUND HÄKAN OHLSSONS BUCHDRUCKEREI 1927

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VORWORT.

Trotz des überaus reichen Materials oder vielleicht ge- rade wegen der Fülle von handschriftlicher Ueberlieferung ermangelt es immer noch an einer kritischen Ausgabe der deutschen Mandeville-Versionen. Die vorliegende Unter- suchung hatte ich mir ursprünglich als Einleitung zu einer solchen Ausgabe gedacht. Im Laufe meiner Arbeit bin ich indessen auf unvorhergesehene Schwierigkeiten verschie- dener Art gestossen, die eine Verzögerung der von mir ge- planten Edition herbeigeführt haben. Meine Untersuchung begrenzt sich deshalb darauf, eine Vorarbeit zu einer, wie ich hoffe, in den nächsten Jahren erscheinenden Ausgabe zu sein.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, hier allen denen zu danken, die in irgend einer Weise meine Arbeit gefördert haben. Für die leihweise Ueberlassung von Handschriften, Beantwortung auf Anfragen oder das Herstellen von Photo- graphien bin ich zu Dank verpflichtet: den Bibliotheken in Bamberg, Basel, Berlin, Breslau, Donaueschingen, Dresden, Giessen, Gotha, Göttingen, Halle, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Klosterneuburg, Leningrad, London, Lübeck, Lüneburg, Magdeburg, Maihingen, München, Nürnberg, Prag, Salzburg, St. Gallen, St. Paul in Kärnten, Schlettstadt, Soest, Strassburg, Tambach, Trier, Warschau, Wernigerode, Wien, Wiesbaden, Wolfenbüttel und Würzburg. Die Herren Direktoren der Handschriften-Abteilungen: in Berlin Dr. H.

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Degering, in München Dr. A. Hartmann und in Stockholm Dr. O. Wieselgren haben mich in der liebenswürdigsten Weise unterstützt.

Meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Ernst A. Kock, der mir ermunternd beigestanden hat, spreche ich meinen tiefempfundenen Dank aus.

Lidingö, im April 1927.

Arthur Schoerner.

Einleitung.

Von den mittelalterlichen Reisebeschreibungen ist keine so ausserordentlich beliebt gewesen wıe Mandevilles Reise. Die seltsamsten und abenteuerlichsten Erlebnisse in einem Rahmen von bestechender Sachkenntnis und Zuverlässigkeit das Ganze gewürzt durch obszöne Einzelheiten machten das Werk zum Abenteuerroman par excellence des Mittel- alters.

Ein halbes Jahrtausend wurde die Reise allgemein als ein glaubwürdiger, unterhaltender Führer vom westlichen Europa nach dem heiligen Lande und weiter gen Osten ge- schätzt, bis schliesslich die wissenschaftliche Kritik fest- stellte, dass man es mit einem Stoppelwerk zu tun habe, ver- mengt mit den eigenen Phantasien des Kompilators. Noch ım 19. Jahrhundert wurde so fest an die Echtheit der Mande- villeschen Reisebeschreibung geglaubt, dass z. B. Görres, der die Art und Weise nicht hart genug brandmarken kann, wie der deutsche Uebersetzer Otto von Diemeringen mit seinem Material umgeht, die Anklage bestimmt zurückweist, die gegen Mandeville erhoben worden war, nämlich dass er der grösste Lügner und Aufschneider unter allen Reisenden sei (Die Teutschen Volksbücher, Heidelberg 1807, S. 62 fl.). Selbst am Ende des 19. Jahrhunderts hat Mandeville Ver- teidiger und Bewunderer gefunden. In der Revue des Deux Mondes (Nov. u. Dez. 1889) widmet ihm M. Emile Montegut in vollem Ernst eine kritische Studie: I. L’Homme et le con- teur, II. Le Philosophe.

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Es ıst das Verdienst von Schönborn, Bormans, Yule, Nicholson, Vogels u. a., den Weg zu einer richtigeren Be- urteilung der Reise angebahnt zu haben; aufgeklärt wurde der Sachverhalt ım grossen und ganzen durch Bovenschens ' und Warners” verdienstvolle Untersuchungen. Einer ein- zıgen Partie der Reisebeschreibung schenken diese beiden Gelehrten Glauben: den Schilderungen vom ägyptischen Hofe, aber nıcht einmal diese sind wahrheitsgemäss, obwohl man ihnen vielleicht einen gewissen Wahrscheinlichkeitsgrad nicht absprechen kann. Es ist dieses fast die einzige Stelle ım ganzen Werke, die auf wirklich Erlebtes deutet. Dass der Sultan dem Weltbummler die Hand einer mohamme- danischen Prinzessin angeboten hätte, muss indessen, wie Hamelius® (II: 38) hervorhebt, reine Erfindung sein. Obendrein war die Geschichte schon vor Mandevilles Zeit ein beliebtes Thema in den Ritterromanen.

Der Stoff der Reisebeschreibung ist aus den Werken ver- schiedener Schriftsteller des 13. und 14. Jahrhunderts zu- sammengebracht; vor allem sind zu nennen: Wilhelm von Boldensele, Wilhelm von Tripolis, Oderich von Pordenone, Vincenz von Beauvais, Haiton und Jacob von Vitry. Bald schreibt der Kompilator seine Quelle direkt ab, bald ver- fälscht oder vermischt er das Gelesene. Er behauptet, ein landesflüchtiger englischer Edelmann zu sein, der in Lüttich, von Krankheit befallen, die Beschreibung seiner Reisen und Erlebnisse aufgezeichnet hätte. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird der Glaube an die Angaben des Kom- pilators über seine eigene Person erschüttert, als E. B. Nicholson 1884 in einem Briefe an die Zeitschrift The Aca-

ı Untersuchungen über Johann von Mandeville und die Quellen seiner Reisebeschreibung (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. Berlin 1888).

? G. Warner, The Buke of John Maundeuill (Roxburghe Club, 1889).

® P. Hamelius, Mandevilles Travels. Vol. I: Text. London 1919. Vol. H: Introduction and notes. London 1923.

Fe Se gen : er Bye en.

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demy ' seine Ueberzeugung ausspricht, dass der Name Mande- ville ein Pseudonym sei. Der wirkliche Verfasser sei viel- mehr der »Professor der Medizin» zu Lüttich, Jean de Bour- gogne, genannt »mit dem Barte». Die Frage nach Mande- villes Person wird dann von Warner in der Einleitung zu seiner Mandeville-Edition ausführlich erörtert. Das Ergeb- nis seiner Untersuchung ist (p. XL), dass Jean de Bour- gogne zweifelsohne der Verfasser ist, dass aber Jean d’Outre- meuse, der an Mandevilles Todesbette zugegen gewesen sein will, über die Entstehung der Reisebeschreibung mehr weiss, als er zugesteht. Henry Cordier geht einen Schritt weiter: die Reise sei entweder von d’Outremeuse oder Jean de Bour- gogne geschrieben. Hamelius schliesslich glaubt nicht an die fiktive Person Jean de Bourgognes, sondern klagt einzig und allein d’Outremeuse an.

‚Jean d’Outremeuse (1338—1400) oder, wie er sich einige: Male nennt, Johans des Preis dis Oultremeuse, ohne auf den Familiennamen de Pre irgend ein Recht zu haben *, hat wiederholt den Forschern Rätsel zu raten gegeben. Als der allwissende Schilderer der Geschichte Lüttichs gibt er in seiner Weltchronik Ly Myreur des Histors eine eingehende Darstellung der Schicksale der Stadt Lüttich bis über die Mitte des 14. Jahrhunderts hinaus, weshalb er sogar »der Vater der Geschichte von Lüttich» genannt worden ist °. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wird seine Chronik auch interessant für die Geschichte Frankreichs, Englands und

ı Ss. 261.

2 Jean de Mandeville (T’oung Pao, Nr. 4, Nov. 1891, S. 298).

8 The Travels of Sir John Mandeville (The Quarterly Review, April 1917).

* Vgl. G. Kurth, Etude critique sur Jean d’Outremeuse (Academie Royale de Belgique. Classe des lettres. Memoires. Tome VII. Bruxelles 1910. S. 93 £.).

5 Ebenda, S. 4, Anm.

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Flanderns. Geschichtschreiber im jetzigen Sinne des Wortes ist er aber nicht, eher ein phantasievoller Romandichter, Nichts ist ihm unbekannt. Ausser Urkunden, die er wörtlich abschreibt, hat er für seinen Spiegel keine anderen Quellen benutzt als diejenigen, die der heutigen Forschung zu Ge- bote stehen ', was jedoch nicht hindert, dass er die unbe- deutendsten Nebenpersonen mit Namen zu nennen weiss. Er erzählt genau, an welchem Tage die und die Stadt oder Kathedrale gegründet worden sei usw. Um Professor Kurth anzuführen: »chez Jean d’Outremeuse les r£cits -vrai- semblables ne sont pas plus vrais que les autres; ıl faut ecarter en bloc tout ce qui ne s’appuie pas sur le t&moignage d’une source anterieure» °.

Allerdings ist es Hamelius nicht gelungen, absolute Be- weise für die Verfasserschaft des Jean d’Outremeuse zu er- bringen, aber seine Wahrscheinlichkeitsbeweise sind über- zeugend. Die Ähnlichkeit von Ton und Inhalt in Mandevil- les Reise und in den Werken d’Outremeuses besonders Ly Myreur des Hıstors —, in beiden enthaltene Irrtümer und vor allem die in seinen Schriften hervortretende, fast krank- hafte Manie zur Vermischung von Wahrheit und Lüge sind starke Beweise für einen gemeinsamen Verfasser. D’Outremeuse war selbst zu bekannt in Lüttich, als dass er es gewagt hätte, den Verfasserruhm für sich in Anspruch zu nehmen. Indem er diese zweifelhafte Ehre auf einen Engländer übertrug, entging er etwaigen Folgen der An- griffe auf Papsttum und Kirche, die in der Reisebeschrei-

i Vgl. Kurth, a. a. O., 8. 19.

?2 Ebenda, S. 40.

8 Laut der Inschrift eines Lütticher Grabmals, das zur Zeit der Französischen Revolution zerstört wurde, starb 1372 zu Lüttich ein englischer Edelmann, namens Joannes de Montevilla, alias dietus ad barbam. Es ist möglich, dass d’Outremeuse ihn nt und sich seines Namens bedient hat.

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bung vorkommen. Nach Hamelius »verfasste» also ver- mutlich nach 1362, jedenfalls nicht später als 1371, dem Entstehungsjahr der ältesten, noch erhaltenen Mandeville- Handschrift der phantasievolle Lügner Jean d’Outre- meuse auf seiner Kammer die berühmte Schilderung der Länder, die er nie gesehen, und der Erlebnisse, die er nie gemacht hatte”.

Ob d’Outremeuse dabei, wie Hamelius es für wahr- scheinlich hält, politische Zwecke verfolgte, nämlich um den Kampf Edwards III. von England gegen das Papsttum zu stützen °, bleibt unsicher.

Verschiedene Uebersetzungsfehler und orthographische Irrtümer in den lateinischen Fassungen beweisen, das die. Reisebeschreibung ursprünglich in französischer Sprache niedergeschrieben worden ist. In mehreren Hss wird frei- lich behauptet, dass das Stoppelwerk lateinisch abgefasst und dann ins Französische übersetzt worden wäre. So heisst es z. B. in der von Hamelius herausgegebenen Hs (MS. Cotton Titus, Brit. Mus.), S. 4: And zee schull vndirstonde

! Vgl. Hamelius, M. T., II: 116.

? Gründe, wie sie N. A. Cramer (De Reis van Jan van Mandeville. Leiden 1908) in der Einleitung zu seiner ndl. Mandeville-Ausgabe, p- XXXIJ für die englische Nationalität des Verfassers anführt, be- dürfen kaum der Erörterung: »Want dat hij zich met recht een Engelschman noemde, staat vast. De toespelingen, die hij op zijn geboorteland maakt, behoeven in het algemeen nog niet veel te be- wijzen maar een ervan is m. i. afdoend. Als hij een zg. Arabisch alphabeth in zijn werk heeft opgenomen (kol. 122,37 vv.) voegt hij daaraan toe: „Et cestes iiij lettres ont ils vnquore plus pour la diuer- site de lour langage pour ce quils parlent ensi en la george ausi come nous avons en nostre parler en engleterre quil nad en lour a. b. c. cest assauoir Y et 3 que son Yorn et 30k." Deze mededeeling stemt 'volkomen met de werkelijkheid overeen... Ik acht het ondenkbaar, dat onze schrijver deze bijzonderheid gekend had, ware hij niet zelf een Engelschman geweest.» (!)

® Vgl. Hamelius, M. T., II: 13 £f.

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bat I haue put this boke out of latyn in to frensch & trans- lated ıt a5en out of frensch in to Englyssch bat euery man of my nacıoun may vnderstonde it. Auch ın den ndl. MSS und in den auf dieselben zurückgehenden deutschen Hss finden wir die Behauptung: Ende weet dat jc dit boec hadde ghescreuen in latıne om der cortheden wille, mer om dat die menige bet verstaet duutsch (walsch) dan latin, so hebbict gheset in duutsch (walschen), om dattet een yghelijc moghen verstaen', während die frz. Hss lesen: Et sachez ge veusse cest escript mıs en latyn pur pluis briefment deuiser; mes, pur ceo ge plusours entendent mieltz romantz ge latın, ieo lay mys en romance, pur ceo ge chescun lentende et luy chiualers et les seignurs et lez autres nobles homes ne sciuent point de latın ... sachent et entendent, usw. ”, was der Uebersetzer wohl missverstanden hat. Im ersten Teil von Ly Myreur des Histors (S. 1, £. in Ad. Borgnets Aus- gabe) findet sich die ähnliche Begründung: C'hesty present cronıques que nous avons translateıt de latıen en francho:s ... affın que toutes maniers de singnour et aultres gens, qui de latien n’ont nulle cognıssanche, le pussent entendre. Dieses Zaudern vor der gelehrten Sprache erklärt sich leicht: d’Outremeuses Kenntnisse des Lateinischen waren ın der Tat sehr mangelhaft, die Sinnwidrigkeiten sind zahllos, deren er sich bei seinen Uebersetzungen aus dem Lateinischen ins Französische schuldig macht ’°.

! Vgl. Cramer, a. a. O.,S. 5. 2 Vgl. Warner, a. a. O.,S. 3. ® Vgl. Kurth, a. a. OS. 11.

Die deutschen Handschriften.

Wie beliebt Mandevilles Reise einst gewesen ist, erhellt aus der grossen Zahl der uns überlieferten Handschrif- ten und Drucke. Nach Bovenschen ' werden sämtliche Manuskripte auf 300 geschätzt. Diese Ziffer ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen: Röhricht ® verzeichnet nur etwa 200, was anderseits zu wenig ist, obwohl jedenfalls mehr als das Doppelte der noch erhaltenen Marco Polo-Hand- schriften.

Eine Untersuchung der deutschen Mandeville-Hand- schriften ist vor bald 40 Jahren von Dr. J. Vogels unter- nommen worden; ıhre Veröffentlichung war ım Jahre 1890 geplant, hat aber nicht stattgefunden, da Dr. Vogels’ spätere Wirksamkeit ıhm für diese Aufgabe keine Zeit übrig gelas- sen hat. Die von F. Sandbach ® gegebene Uebersicht ist sehr unvollständig und in mehreren Punkten unrichtig. Er verzeichnet nur 13 Hss von der Verdeutschung Ottos von Diemeringen und 6 von Michel Velsers. Zu der vorigen Fassung werden die Berliner Hss Ms. Germ. Fol. 204 und Ms. Germ. Quart. 322 geführt(!). In Röhrichts Verzeichnis werden auf S. 81 die Handschriften vollständiger aufgezählt; eine kurze Notiz weist darauf hin, dass sie teils von M. Vel- ser, teils von OÖ. v. Diemeringen übersetzt sind. Da aber auch

ı A.a. O. S. 194, Anm.

? R. Röhricht, Bibliotheca Geographica Palaestinae. Berlin 1890.

® Handschriftliche Untersuchungen über Otto von Diemeringen's deutsche Bearbeitung der Reisebeschreibung Mandeville's. Strassburg 1899.

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Röhrichts Uebersicht nicht mit den tatsächlichen Verhält- nissen übereinstimmt, habe ich die deutschen Handschriften nach den resp. Versionen zusammengestellt.

Wie aus der folgenden Uebersicht hervorgeht; ıst Mande- villes Reise in mindestens vier verschiedenen deutschen Fas- sungen verbreitet gewesen. Weder Röhricht noch Sandbach berücksichtigt die Versionen C und D, obwohl schon Zarncke” auf die Möglichkeit einer dritten Uebersetzung hingewiesen hatte, d. h. ausser Ottos und Michel Velsers. Auch Minzloff * spricht von »verschiedenen Uebersetzungen dieser merkwürdigen Reisebeschreibung». Der von Gör- res® erwähnte »Pergamentcodex vom Jahr 1420, aus dem Lateinischen und Französischen, in dem Mandeville schrieb, ins Niederdeutsche sehr korrekt und sorgfältig übersetzt», scheint verloren gegangen zu sein, wenigstens ist es mir nicht gelungen, diese Hs zu entdecken. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass sie aus dem Niederländischen über- tragen war, denn wie schon erwähnt, wird in einer ndl. (und in einer aus dem Ndl. übertragenen deutschen) Hs angegeben, dass Mandeville sein Werk lateinisch abgefasst aber dann in walschen gesetzt habe, damit es ein jeder ver- stehen könne.

Eine dritte Fassung will A. Gebhardt* in der Mün- chener Hs Cgm 593 gefunden haben, die von einem Ulmer Bürger, namens Hans Bart, geschrieben ist. Hier liegt schlechthin eine Verwechselung von Uebersetzer und Schrei- ber vor.

ı F. Zarncke, Der Priester Johannes. Zweite Abhandlung. Leipzig 1876. S. 1832.

? R. Minzloff, Die alideutschen Handschriften der Kaiserlichen Öffent- lichen Bibliothek zu St. Petersburg. St. Petersburg 1853. S. 124.

® A. a. O.,S. 68.

* A. Gebhardt, Das Erlanger Mandevillebruchstück und die Ent

stehungszeit der Diemeringenschen Verdeutschung (Münchener Museum, 2. S. 197).

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A. Die Uebersetzung Ottos von Diemeringen.

1. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 205. Papier. 14. Jh. Bl. I-V, 1—69. Die Bll. 15 und 40 fehlen. 2spaltig, rote Initialen und Ueberschriften. Am Rande von späterer Hand hinzugefügte Bemerkungen.

Anfang ' Bl. IA: Wande mir alle zit sınne ist gewesen frömede lande vnd wünder schowende vnd zU hörende vnd dis büch nuwe ist vnd von viıl frömeden sachen saget so han ich Otte von Diemeringen dümherre Metze daz selbe büch von latine vnd von weltsche tütsche gezogen ZU einer er- götzunge aller tütschen die gerne fromede sachen lesen _wellent

Schluss Bl. 69°: das sin geloub der beste ist und bittent alle zu yme komende vnd daz selbe bitte ich dich ouch o Oristus Got ın ewigkeis daz du vns helffest daz wir von dir niemer gescheiden werdent. Amen.

2. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Nr. 167 (St. Märgen 2). Papier. Aus dem Jahre 1416. 2spaltig. Alem.

Anfang Bl. 12: Jch Otto von Dümeringen ein tüm here zu Mentze in Lothringen han dis büch verwandelt vsz wel- sche in latıne tütsche vff das die tütschen ouch mügent dinne lesen von maniger wunderlicher sachen die dine ge- schriben sint

Schluss Bl. 966: wie wol alle gloubent an Oristum vnd an sine gotheit und daz sın gloube der beste sıge vnd ıst vnd bittent alle zu Jme kummen vnd daz selbe bitte ich Johannes ouch o Oristus Got in ewikeit daz du vns helffest daz wir von dir niemer gescheiden werdent. Amen.

ı Hier, wie im folgenden, sind mit wenigen Ausnahmen die Verkürzungen aufgelöst, die Eigennamen gross geschrieben, [ und 3 durch s und z bzw. wiedergegeben.

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3. Paris, Nationalbibliothek, Manuscrit allemand Nr. 150 in quarto. Papier. Sammelhandschrift. 356 Bll. Die Reisebeschreibung und der auf dieselbe folgende Brief vom Priester Johannes" an den Römischen König und den Papst von Rom sind im Jahre 1418 vollendet worden. Ueber dem Text ist eine befestigte Stadt mit der Ueberschrift: IH ERU SALEM gemalt.

Anfang Bl. 182: Jch Otte von Dyemeryngen ein dömhere Metze ın Lotteryngen han diz büche verwandelt vz wel- sche vnde latın in dütsche daz die dütschen aüch mogent dar ynne lesen von manıgen wünderlichen sachen die dar ynne geschriben sınt

Schluss Bl. 191P: wie wol sie alle meistelichen geleübent an die gesetze Uristum vnde an sine heilige gotherd vnde daz yglicher meynet sın gelaübe sy der best vnde biedent auch alle Oristo komende vnde daz selbe bieden vnde begern ich aüch Oristus Got ın ewekeit daz uns helffest uvnde daz wir dır komen vnde aüch nummer von dir ge- scheiden in werden dez helffe uns daz hiemelsche kint vunde alle die lieben engel die da by ym sint. Amen.

4. Schlettstadt, Bibliotheque Municipale, Nr. 1101, in quarto. Papier. Im Jahre 1419 von Volmar Lutzelstein ge- schrieben. 2spaltig. Sammelhandschrift.

Anfang Bl. 22: Wande mir alzıt ıst zu sinne gewesen fromde lant vnd wunder zu schöwende vnd hörende vnd dis büch nuwelingen ist und von vıl frömden sachen saget so han ich Otte von Tiemeringen thümherre zu Metze das selbe büch von latın und von welsche thüsche gezogen einer ergötzunge aller thüschen die gerne frömde sachen lesen wellent

ı S. F. Zarncke, Der Priester Johannes. Erste Abhandlung. Leipzig 1879.

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Schluss: wie wol meystlich alle glöbent an Orystum vnd an sine gotheit und das sin glöbe der beste sy vnd bittent alle zu yme komende vnd das selbe bitte ıch dich öch o Orystus Got ın ewigkeit daz du vns helffest das wır von dir nıemer gescheydent. Amen.

5. Hamburg, Staats- und Universitäts-Bibliothek, Cod. geogr. 58, fol. Papier. 1447. 2spaltig. 88 Bll.

Anfang Bl. 12: Fk Otto van Dimeringen eyn domhere to Mertze in Lotringhen hebbe ık dut buek ghewandelti vth walsche vnde latine in dudessche sprake vp dat de dudesschen ok darınne moghen lesen van mennighen wunderliken saken de dar inne ghescreuen synt

Schluss Bl. 854: vnde bidden alle to em to komende vnde dat sulue bydde ık di ok o QOriste God ın der ewicheyt vorlat vns armen elenden sunders nicht vnde kum vns to hulpe myt dyner leuen moder der hochgheloueden konighynnen maghet Marien vnde myt alle dynen enghelen vnde apostelen vnde myt alle dynen leuen hilghen de dy ın dyner ewicheyt louende vnde erende synt dat wy nummer van dy scheyden mothen werden. Amen.

6. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 693, in quarto. Papier. 1459. 214 Bll. Die Bll. 11, 12, 23 fehlen.

Anfang: Ich Otto von Duneringen aın tumherr zu Mentze ın Lothoringen han das buch verwandelt

Schluss: O Cristus Got ın ewigkait das du uns helfest daz wır von dir nymer geschaiden werden. Das verleich uns Got der vater und der hailig gaıst. Amen.

Vgl. Sandbach, a. a. O., S. 12 ft.

7. Würzburg, Universitätsbibliothek, Ms. fol. 38. Pa- pier. Laut Bl. 112 nicht später als 1464 geschrieben. Sam- melhandschrift. Der Band zählt 303 Bll.; gehörte früher

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dem Dominikanerkloster in Würzburg. Mandevilles Reise findet sich auf Bl. 628 —125% (ältere Paginierung I’—119*). Initialen, Alphabete und Ueberschriften rot. Die Bll. 2—5 sind fast unbeschrieben. Auf Bl. 6 der Anfang eines Re- gisters. Darauf fängt die Einleitung sofort an.

Anfang: Ich Otho von Diemeringen eyn dumherr Metze jn Lotringen han dis büch virwandelt vs welische vnde latyne in dützsche vff das die dutzschen auch mogent dijnne gelesen von manchen wonderlichen sachen die dynne ge- schriben sınt

Schluss: wie wol daz sie doch alle daz meysteyl geleubent an Oristum vnd an sine gotheit und das sin gelaube der beste ist und bieden alle zu yme komen vnd das selbe bieden ich auch o Oristus Got in ewikeit daz du uns helffest das wir von dir nummer gescheyden werden. Amen.

8. Gotha, Herzogliche Bibliothek, Nr. A 26. Papier. Sammelhandschrift. Bl. 127—248. Von Martin Scherffen- :berger im Jahre 1472 geschrieben. Wie man mir mitteilt, wurde die Hs wahrscheinlich verstellt und ist nicht wieder gefunden worden.

Anfang: Hie her nach hebt sich an das puch Johann von Montevilla.

Schluss: das wir ny mer von dir gescheyden. Amen.

Vgl. Sandbach, a. a. O., S. 15.

Yy. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, Cod. 14. 10. Aug. (v. Heinemann Nr. 3048). Papier. Aus dem Jahre 1473. 210 Bil.

Anfang Bl. 1%: Es ist zu wissen das ich Ott von Dienier- ingen ein thumherre zu Metze jn Lüttringen han ditz büch verwandelt ausz wellisch vnd latein in deutsche dar Um das di) deutschen auch dar in gelesen mügen von mannigen wiün- derlichen sachhen dı) dar jnn geschriben sten

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Schluss Bl. 2102: wy wol sy alle meistteilig an Ohristum vnd an sein gotheyt vnd das sein glaube der best sey vnd bit- ten alle zu im zu kumen vnd das selbe bitt ich dich auch o Christe Got ın ewikeyt das du vns helffest das wir von dır nymmer scheyden noch gescheyden werden. Amen.

10. Wien, Nationalbibliothek, Cod. 2838, ın folio. Pa- pier. Im Jahre 1476 von Hanns Minner geschrieben. 178 Bil. Die Hs ist 2spaltig mit roten Initialen und Ueberschrif- ten. Sie wird von einer grossen Anzahl Farbenzeichnungen ım Anschluss an den Text geziert.

Anfang Bl. 12: (I)ch Otto von der Mauringen aın thüm- her ze Metze jn Luttringen han disz büch verwandlet usser wälsch und lattın jn tütsch durch das dısz tütschen lütte ouch mügen dar jnne lesen von mangen wunderlichen sachen die darjnne geschriben sınt

Schluss Bl. 1632b: vund haissent doch alle|| cristan vnd gloubent an Jhesum Christum vnd an sin gothait und bitten all siner gnaden vnd jn das ewig rıch koment. Das bitt ouch Johanns von Manttauil ritlter geborn usz Engenland von Sant Alban der des ersten disz büch Gott lob gemacht hett. Amen.

11. Bamberg, Staatliche Bibliothek, J. H. Mse. hist. 112, fol. Papier. 15. Jh. 164 Bll. Gemalte Initialen.

Ueberschrift: Hie hebt sich an das buch das man den lantferer heist.

Anfang Bl. 5%: Ich Otto von Dyemeringen thumherre zu Metze in Lutringen gelegen hann disz buch verwandelt vnd verkeret ausz welschem vnd latein zu deutsch gemacht vff das das die deutschen auch darjnnen gelesen mogen von manchen wunderlichen dingen vnd geschichten die hierjnnen ge- schriben seint

Schluss Bl. 162%b: wie wol sie allermeist gleuben an

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Christum vnd an seine heilige gothert und gleuben auch das seyn glaube sey in aller der werlt und biten yn mit ynnigem gebete ausz grunde irs hertzen das er yne wölle verleyen das sie von seynem götlichenn antlıtze nymmer gescheyden wer- den. Des selben bite ich den hymelischen|| vater auch o Jhesus Cristus Got ın ewigkeyt. Jch bite dich das du vns mit frewden helfest das wir armen sundigen menschen von deynem götlichen heiligen antlitze nymmer gescheyden wer- den. Das verleyhe vns Got der vater Got der sune vnd Got der heilige geist. Ämen.

12. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 1268 (früher in der Gymnasialbibliothek zu Koblenz befind- lich. Signatur Sectio Görres, Nr. 33). Papier. 15. Jh. 91 Bll. 2spaltig. Rote und gemalte Initialen. Einleitung und Inhaltsverzeichnis fehlen. Md.

Anfang Bl. 12: Der üsser lande nyt gewesen ıst der wenet lichtenlich sijn lant daz sij daz best doch wie woil eynre v17l licht also ertzogen wirt daz er nye verre begquam der horet doch gerne von fremden landen sagen

Schluss Bl. 91°: an sijne gotheit und daz sıjn gelaube der beste sı7 und bijdent alle zu hime zu komen vnd dasselbe bijden ich dich auch o Criste Got jn ewichheit daz du vns helffest daz wır von dır nummer ghescheiden werden. Amen.

13. Erlangen, Universitätsbibliothek, Sammelmappe 2112, Nr. 35. 1 Pergamentblatt in quarto, das anscheinend spätestens aus der ersten Hälfte des 15. Jhs. stammt. 2spal- tig. Umfasst den Schluss des 7. und den Beginn des 8. Kapitels im 2. Buche.

Anfang celxxx@: der durch kumen mag wann man vindet vnterwegen nicht alleine ungelaubig volk und mor

Schluss celxxx@: und die ander stat haisset Floranse noch seiner andern grossen frawen die seiner mutter (mutter was).

Vgl. A. Gebhardt, a. a. O.

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14. Gotha, Herzogliche Bibliothek, Nr. 584. Pergament. 15. Jh. 108 Bll. 2spaltig.

Anfang: Ich Otto von Diemeringen thumherre ztu Mentz in Lotringen habe ıch ditz buch gewandelt vs welsch vnnd vs latın yn dutzsch vff das das die dutschen ouch darynne mogen gelesin von manchen wunderlichen sachen die darynne ge- schrebin sınt

Schluss: wy wol sy das alle meystelich glouben an Oristum vnnd an syne gotheyt vnnd das syn gloube der beste ist vnnd bitten alle ztu em ztu komende vnnd das selbe bitte ich dich ouch o Christus Got ın ewigkeyt das du hilffest vns das wyr nymmer von dir gescheyden werden. Amen.

15. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. Germ. 65, fol. Papier. 15. Jh. 139 Bll. 2spaltig. Auf Bl. 35V die Wappen Erpachs und Hirshorns.

Anfang Bl. 1%: Jch Otto von Dyemeringen ein dumherre zu Metze ın Luttringen han disz buch verwandelt vsz welsche vnd latın in dutsche vff dasz die tütschen auch dar inne mogent lesen von manigen wunderlichen sachen die dar jnne geschriben sınt

Schluss Bl. 1394: wie wol sie alle meisteilig geleuben an Oristum vnd an sine gotheit vnd daz sine gelaube der beste ist vnd bittent alle zu ym zu komende vnd daz selbe bitten sch dich auch o Oriste Got ın ewikeit das du vns helffest daz wir von dir nyemer gescheiden werden. Amen.

16. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. Germ. 138, fol. Papier. 15. Jh. 116 Bl.

Anfang Bl. 18: Jch Otte von Diemeringen eyn dumherre zu Metze ın Luttringen han disz buch verwandelt usz welsche vnd latıne yn dütsche uff daz die dütschen auch mogent do ynne lesen von manichen wünderlichen sachen die do ynne geschriben sınt

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Schluss Bl. 126% (falsche Zählung) :wie woll sie meistlich alle glaubent an Uhristum vnd an sine gotheit und daz sın glauben der beste ıst und bittent alle zu yme zu kummende vnd daz selbe bitten sch dich auch o Christus Got in ewikeit daz du vnsz helffest daz wir von dir nymer gescheiden wer- den. Amen.

17. London, British Museum, Add. Nr. 17335, fol. Pa- pier. 15. Jh. 2spaltig. Unvollständig. Ueber dem Texte ein Wikingerschiff mit der Inschrift: Jch zur Mentvil eın ritter geborn vsz Engellant. Daneben ein Mann in ein Buch schreibend nebst der Inschrift: Jch Otte von Diemeringen eın dümherre ze Metz.

Anfang Bl. 12: Jch Otte von En ein tüm herre Metze jn Lütteringen habe dıs büch verwandelt vsz welsch vnd latine tütsche vff das die tütschen ouch mügent dar jnne lesen von manigen wunderlichen sachen die hie inne geschriben stont

Schluss Bl. 614: Verflüchet sy der win vnd die die dich trinckent und vmbe die sachen so trinckent die heiden keinen win die an Machmet gloubent ez sy dann heimlich.

18. Magdeburg, Stadtbibliothek, XII 15 1 (früher III 209 75 d). Papier. 15. Jh. (um 1420). 2spaltig. 75 Bll.

Anfang Bl. 12: Ek Otte van deme rynghe domphere to Mentze ın Lotryngen hebbe dijt bouk vmmewandelt vt walschem vnde latine jn düdesch vppe dat de dudesschen ok dar jnne mogen lesen van mannigen wunderliken saken de dar jnne gescreuen sınt

Schluss Bl. 75°: wı7 wol dat se al meystich loven an Orıstüm vnde ar sine gotheyt dat sın love de beste ys vnde beden alle to ome vnde des suluen bidde wij ok o Kristüs Got jn ewicheyt dat du vns helpest dat wıj van dy nummer ge- scheden werden. Amen.

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19. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm. 329, fol. Papier. 15. Jh. (Nach Gebhardt, a. a. O., S. 200, Anm. 3, stammt die Hs anscheinend aus der Zeit 1430—1435.) 90 Bll., von denen Bl. 1 und 90 beschädigt sind. 2spaltig. Rote Initialen. Unvollständig.

Anfang Bl. 22: Ich Ott von Diemaringen ein tumherre tzu Metze in Lotheringen han das büch vervandelt aus wälsch vnd (la)tein zu täwtsch auf daz die täfw)tschen auch darynn mügent lesen von manigen wunderlichen sachen die her yn geschribn sind

Schluss Bl. 904: Also ist der haiden glawb die under dem soldan wonen vnd sind recht als halb juden vnd halb christen natürleichs glawben gesittet. Dje hayden die under dem.

20. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 593, fol. Papier. 15. Jh. 117 Bll. Die Bll. IX, X, CIX (nach der älteren Paginierung) fehlen. Bl. 99 ist von einer anderen Hand geschrieben. 2spaltig mit roten Initialen und Ueber- schriften. Auf Bl. 1 und 5 finden sich Namen von Ulmer Bürgern. Die Hs ist in 5 Bücher eingeteilt, jedoch ist der Anfang des vierten Buches nirgends, auch nicht im Register angegeben. Ottos Vorrede fehlt ganz.

Bl. 22: Hie hept sich an das Register Johannis von Mon- teuillan vnd wiset vnd leret von allen harlıgen stetten die vmb daz hailig gra (Loch) da ligent da Got oder die harligen gewandlet hand

Auf Bl. 5b hat eine spätere Hand die Mutmassung ge- schrieben: Die folgende Uebersetzung scheint nach dem nie- derländ. Text des Mandevilla verfertigt worden zu sein.

Bl. 62: Hie hebet sich an Johannes von Monteuilla geborn von von(!) Engelant. Darunter: Ich Johans von Monteuill ritter geporen vsz Engeland von der stat die da haısset Sant Alban saz jn schiff da man zalt von Oristus gepurte tusent 117 hundert und xzxij j(ar) und bin gevarn vber mer

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Das letzte Kapitel der Diemeringenschen Version fehlt in dieser Hs. Statt dessen folgt auf Bl. 117 eine der Velser- schen Fassung entnommene Partie, obwohl in etwas verstüm- melter Form: Jch Johannes von Monteuilla für vber mer da man zalt von Oristus gepurt tusent cc vnd xxx(!) jar vnd bin gewesen enhalb mers vnz man zalt tusent cc vnd Ixıj jar vnd bin gefarn

Schluss Bl. 1174: Hie hant Johannes von Monteuille ein end vnd stat gar ordenlich von landen zelanden von wasser zewasser von einer jnsel der andern und von allen haılıgen stetten und kirchen von einer der andern den nechsten und rechtesten weg wann ich si wol versucht han an allen enden.

21. Prag, Fürstlich Lobkowitzsche Bibliothek, Ms. 421, fol. Papier. 15. Jh. 154 Bll. Rote Initialen, Ueberschriften und Alphabete.

Anfang Bl. 1%: Ich Otte von Diemertingen ain thümherre Mettze jn Luttringen han diısz büch verwandlet us der wälsch jn latın tütsche uff daz daz die tütschen darjnne mugent gelesen von mangen wunderlichen dingen vnd sachen die darjnne geschriben sind

Schluss Bl. 153b—154%: wie wol sy aller maist globent an Christum vnd an sin gothait und daz sin glob der || best syg vnd bittent all jm ze komen vnd daz selb bitt ich och o Christe Gott in ewikait daz du ins helffist daz wir von dır niemer geschaiden werdint. Amen.

22. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Ms. 628, fol. 15. Jh. Sammelband. Die Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst die Bll. 8544_-917b. 2spaltig. Ottos Einleitung und Inhalts- übersicht fehlen. Die Hs ist am Schluss unvollständig.

Anfang: Eın vglich mensch begert von natur vil zu wis- sen als der weysz man spricht das aug wirt nymer erfult des sehens noch das ör des gehorns wan durch die zwn eussern

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syn mer weyszheit oder verstandenheit in den menschen eıin- geet dan durch die andern

Diese Einleitung endet auf Bl. 855®: einen fursten ausz der Marck genant Ogier der vielleicht der heubtleut einer ist gewest. Wer das bas erfarn wıl der lesz Hystorıam Fran- corum wer seın aber nicht glauben wolle der erforsch die warheit. |

Dann folgt die eigentliche Reiseschilderung: Und ich Johannes von Manteuilla ritter geborn von Engellant von der stat die da heyst Sant Albon sasz in das schif des jars

Schluss: Auch mein sie wir sein bosz leut wen wir nit halten die gesetz die vns Ohristus gab vnd das wir die ge- schrift anders wollen versteen dann Christus und der xzıj boten syn was vnd dorumb meinen sie sie sullen die besten sein.

23. Strassburg, Universitäts- und Landesbibliothek, Nr. L 195, fol. Papier. 15. Jh. 2spaltig. Sammelband. Die Reisebeschreibung findet sich auf Bl. 236°—2764. Ottos Ein- leitung und Inhaltsverzeichnis fehlen. Am Schluss unvoll- ständig. | Anfang: Ein jglich mensch begert von natur vıl zu wissen als der weisz man spricht das aug wirt nymmer erfult des sehends noch das or des gehorns wann durch die tzwn ewssern synn mer weisheit oder verstandenheit jn den menschen ein- gehet dann durch die andern Ende der Einleitung: einen fursten ausz Dennmarck genant Ogier der villeucht der hewptlewt einer ist gewest. Wer das basz erfarn wil der lesz Historiam Francorum wer sein aber nicht glauben woll der erforschen dy warheyt. Die eigentliche Reiseschilderung beginnt auf Bl. 2372: Vnd jch Iohanns von Montauilla rıtter geporn von Engellant von der stat die do haısset Sand Albon sasz ın das schieff des vars Schluss: Auch meyn sie wir sein pösz lewt wenn wir nit

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halten die gesetz die uns Christus gab vnd das wir die ge- schrifft anders wollen versteen denn Christi und der zıı boten syn was vnd darum meynen sıe sie sullen die pesten sein.

24. Trier, Stadtbibliothek, Nr. 1935, 13, fol. Papier. 15. Jh. 229 Bll. 2spaltig. Mittelfränkisch. Provenienz: Dit bo:ich hort zo broder Johanne dem snyder yn Euerhartzclusen vnd hat es selber geschryben myt groisser arbeit. Die Reise- beschreibung umfasst die Bll. 122—199.

Anfang Bl. 1222: Ich Otte von der Margen thum here zu Metze yn Lottryngen han dys buch vorwandelt visser latyn und vssz welschem zu duytschem durch das dutsche lude aüch dar ynne mogen lessen van villen wunderlichen dyngen van landen

Schluss Bl. 1992: die doch alle erysten heyssent vnd ge- leubent doch alle an den beysten got Jhesum Ürıstum vnd aın syne gotheit und bedent und begernet alle syner genaden zu em jn syn ewige ryche komen vnd des selben byden jch uch Johannes Meinteuyl rytter geboren vısz Engellant van der stayt heysset Sant Albayn der dis buch dem eyrsten Gode zu lobe unde erren gemaschet hait. Amen. Dyu gracıus.

25. Wiesbaden, Staatsarchiv, Ms. B 25, fol. Papier. 15. Jh. Drei versch. Gegenstände, von einer u. ders. Hand geschrieben. Mandevilles Reise steht auf Bl. I—LXXIIl in Doppelkolumnen. Die Bll. V und XLI fehlen, Bl. XVII ist bis auf einen geringen Rest herausgerissen, vom Bl. LXII ist der untere Teil abgerissen. Die Anfangs- buchstaben der Abschnitte sind rot oder blau gemalt. Die Hs wurde früher im Idsteiner Archive aufbewahrt; ihr ehe- maliger Besitzer war ein Bürger zu Mentz, namens Wyn- neck. Ottos Einleitung und Inhaltsübersicht sowie der Name des Uebersetzers fehlen.

Anfang Bl. 1%: Der uszir lande nit gewesen ist der wenit lichelich sin lant daz sy daz beste |

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Am Ende der ersten Spalte: So han ich ısz von lattıne unde von welsche zu dutsche gezogin. Der vorgnante ritter der diz buch nach sınem tode zu eime ewegen selegerede ge- macht hat der hebit also an unde sprichit: Ich Johannes von Menteville ritter geborn usz Engeland

Schluss Bl. 724 —73@2: unde daz selbe bit ich dich auch o Oristus Got ın ewekeit daz du uns helffist daz wir von dir nümer gescheidin werden. Amen.

Vgl. F. T. Friedemann in seiner Zeitschrift für die Ar- chive Deutschlands, Bd. I (1847), Heft 1 (1846), Gotha, S. 73. Die Textauszüge verdanke ich Herrn Staatsarchiv- Direktor Dr. M. Domarus.

26. Wien, Nationalbibliothek, Nr. 12449, fol. Papier. 16. Jh. 238 Bll. 2spaltig. Sammelhandschrift. Mandevilles Reise ist auf Bl. 150-234 geschrieben. Die Hs wird von zahlreichen Farbenzeichnungen geziert. Platz ist gelassen für dıe Initialen. |

Anfang Bl. 150%: Jch Otto von Dyermaringen ein tüm- herre ze Metze in Lotoringen han disz büch verwandelet vsser welsche und vsser latın ze tütsche durch das die tutschen lüte auch mügent dar jnne lesen von manigen wunderlichen sachen die dar jnne geschriben sınt

Schluss Bl. 234°: und haissent doch alle crısten vnd ge- laubent auch alle an den besten got Ihesum Ohristum vnd an seın gothait vnd bittent vnd begerent alle seiner gnaden vnd zu jm jn sein ewigs reich ze komende jtem vnd dasselb bit auch ich Johan von Mantheville ritter geborn auss Engel- land von der statt haisset Sant Alban der dıss buch des ersten Gott zelob gemachet hatt.

27. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, Cod. 32 8 Aug. fol. (v. Heinemann Nr. 2328). Papier. 16. Jh. 190 Bll. Die Reisebeschreibung umfasst die Bll. 79 —190.

26 Ueberschrift: Hie hernach hebt sich an das buch Johan-

nıs von Montauilla des ritters.

Anfang Bl. 79%: Ich Otto von Tennmarck ein thumherre zu Metz in Lütringen hab disz puch verwanndelt aus wellisch lateinisch vnd teutsch gemacht auf das die teutschen auch darjnnen mügen lesen von manigen wünderlichen sachen die darjnnen geschriben seın

Schluss Bl. 190°: wiwol sie das meyst tail alle gelauben “an Ohristum vnd an sein gotheit und das sein gelauben ıst der pest und bitten alle zu jm zu kumen vnd dasselb pit ich auch o Oristus Got jn ewigkeit das du vns helffest das wir nymer von dir werden geschaiden. Amen.

* * *

Obwohl die Zahl der überlieferten Hss von Ottos Ueber- setzung etwas geringer ist als die der Velserschen Fassung, steht jene an der Spitze dieses Verzeichnisses, da sie in der Tat allmählich die in Deutschland bekannteste wurde, was wohl hauptsächlich darauf beruht, dass sie Aufnahme fand in das Reisebuch des heiligen Landes, und dass sie später im Volksbuch abgedruckt wurde. Auch in Böhmen verbreitete sich diese Version, und zwar durch die von Vavrinee z Brezov& wahrscheinlich um 1400, jedenfalls vor 1419, be- wirkte Uebersetzung '. Die tschechische Ueberlieferung zählt 10 Hss, von denen 3 aus neuerer Zeit stammen.

Die Person Ottos ist urkundlich nachgewiesen. In einem Metzer Aktenstück aus dem Jahre 1381 wird unter den Domherren auch Otto de Demeringa erwähnt; in einem anderen aus dem Jahre 1384 wird er Otto de Meringa ge- nannt. Wahrscheinlich wurde Otto de Demerenges, wie sein

I Vgl. Fr. Simek, Cestopis t. zu. Mandevilla. V Praze 1911. p. XXXVII.

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Name 1371 lautet, Domherr um das Jahr 1369 und starb um 1398. Seine Uebersetzung dürfte also zwischen diese Jahre fallen”. Von der auf uns gekommenen Ueberlieferung ist nur die mit Nr. 1 bezeichnete Hs, wie es scheint, im 14. Jh. entstanden. Das Original ist sie jedenfalls nicht, wie aus einigen Lücken und Verschreiben hervorgeht. Charakteristisch für Ottos Version, wie auch für die lateinische sog. Vulgata-Version und eine frz. Fassung, ist vor allem die häufige Erwähnung des Lütticher National- helden Ogier der Däne. Auch ein beträchtlicher Teil vom Myreur ıst den Taten Ogiers gewidmet; in d’Outremeuses Geste de Liege, dem gereimten Gegenstück zum Myreur, wer- den seine Heldentaten besungen; d’Outremeuse behauptet selbst, eine geste über Ogier verfasst zu haben, noch bevor er die Geste de Liege schrieb; ganze Partien von den asiati- schen Reisen Oderichs von Pordenone finden sich im Spie- gel und in der Reise. Im letztgenannten Werke wird Oderich von Mandeville, im Spiegel von Ogier vertreten. Die Ge- schichte Ogiers, wie sie im Myreur erzählt wird, gehört zu den Phantasieschöpfungen des Jean d’Outremeuse. Nach mehr als 400-jähriger Gefangenschaft bei der Fee Morgana zieht Ogier auf Gottes Befehl nach Frankreich, um König Philipp-August aus den Händen der Sarazenen zu retten, die mit einem Millionenheer Paris belagerten. Der Bischof Hugues de Pierrepont erfährt von der Ankunft des Paladins, sucht ihn auf und bittet ihn, »por vostre honneur meismes» seine Lebensgeschichte zu erzählen. Ogier gewährt ihm seine Bitte und berichtigt der Sicherheit halber selbst den Text, der die O'hronique des V avassours genannt wurde, auf welche d’Outremeuse sich wiederholt beruft. Nach Kap. L der Vul- gata-Version entstand die Mandevillesche Reisebeschreibung

® Unrichtig ist die Behauptung Gebhards (a. a. O., S. 203), dass alle bisherigen Zeitangaben zu berichtigen wären.

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in ähnlicher Weise. Mit der Hilfe seines Arztes, des Ma- gisters lohannes ad Barbam, und auf dessen eindringliche Bitten verfasst nämlich der kühne Weltbummler Sır John Mandeville den Bericht seiner nicht weniger erstaunlichen Erlebnisse.

In Ottos Verdeutschung ist der Stoff nach neuen Ge- sichtspunkten geordnet und auf 5 Bücher verteilt, die wie- derum in Kapitel zerfallen. Da einige Hss der Vulgata-Ver- sion in 3 grössere Abschnitte eingeteilt sind, ist es nicht aus- geschlossen, dass Otto durch die lateinische Vorlage, von der am. Anfang der Uebersetzung gesprochen wird, auf den Ge- danken gebracht wurde, seine deutsche Bearbeitung in Bücher einzuteilen und somit übersichtlicher zu machen.

Die von Sandbach angestellte Untersuchung der Hand- schriftenverhältnisse dieser Version ist sehr unvollständig: sie umfasst nur 5 Hss und 2 Drucke. Die beiden ältesten Hss, Ms. Germ. Fol. 205 Berlin und Nr. 167 Karlsruhe werden nicht berücksichtigt. Ausserdem ist aber der von Sandbach vorgelegte Stammbaum von problematischem Wert, da die Verwandtschaft grossenteils von der Uebereinstimmung oder Nichtübereinstimmung der Eigennamen abhängig gemacht wird, ein Umstand, den Simek a. a. O., p. VII, hervorhebt.

Da ich nicht in der Lage gewesen bin, sämtliche Hss von Ottos Uebersetzung einzusehen, muss ich mich mit einigen Hinweisen benügen, die für das Verwandtschaftsverhältnis von Interresse sein dürften. |

Wie aus dem Verzeichnis ersichtlich ist, beginnt die Mehrzahl der Hss mit Ich Otto von Diemeringen u. s. w. In Nr. 1 und Nr. 4 ist der Anfang etwas verschieden: Wande mir alle zıt sinne ıst u. s. w. Auch in der Fortsetzung unterscheiden sich Nr. 1 und Nr. 4 von den übrigen, indem sie erwähnen, weshalb Otto die Inhaltsübersicht geschrieben hat u. a. m. Ich zitiere nach der Berliner Hs: ... wellent. Jch han ouch dise tafel gemachet daz yederman deste licht

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licher viınde daz er süchen wıl ın disem büche. Vnd do ette- liche stücke lichte vngelöplich sınt do han ich frömeder meıstere von naturen zZü zügnüsse ZUü latine geschriben die man wol mag lesen der hören wıl die die meistere pfaffen von naturen wol verston süllent.

Ein ähnliches Paar bilden Nr. 22 und Nr. 23, in denen Ottos Einleitung und Inhaltsverzeichnis fehlen, die aber statt dessen eine ganz verschiedene, mit Ein iglich mensch begert von natur vıl zu wissen anfangende Einleitung bieten. Beide schliessen übereinstimmend im II. Kapitel des V. Buches.

Ob zwischen Nr. 12 und Nr. 25 nähere Verwandtschaft besteht, entzieht sich meiner Beurteilung. In beiden vermis- sen wir Ottos Einleitung und Inhaltsangabe, jedoch kann die Uebereinstimmung am Anfang zufällig sein. Es unter- liegt hingegen keinem Zweifel, dass Nr. 10, Nr. 24 und Nr. 26 den übrigen Hss gegenüber eine engere Gruppe bilden. ' Man beachte die Schreibung von Ottos Vaterstadt, das hin- zugefügte lütte (lude, lüte) und die Schlussformel, die in keiner der übrigen Hss anklıngt.

Die mit Nr. 5 und Nr. 18 bezeichneten Hss sind nieder- deutsch. Die Magdeburger-Hs ist mit folgendem Vermerk versehen: Bericht von einer 1322 nach Palästına gemachten Reise. Um 1420 ins Niederdeutsche übertragen von Otto von deme Ringe. Dass ein Domherr zu Metz seine Uebersetzung ın nd. Sprache abfasst, ist schon an sich unwahrscheinlich ; ausserdem ergibt eine Untersuchung der beiden Hss, dass sie aus dem Hochdeutschen übetragen und mit zahlreichen Lesefehlern und Lücken behaftet sind. Folgende Beispiele dürften genügen. Die hd. Belege sind der Heidelberger-Hs Pal. germ. 65 (Nr 15) entnommen.

In Ägypten gibt es Vögel, Ibisse genannt ...

Nr. 15: V’ff dem wasser vindet man vil fogele die man nennet bıs

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Nr. 5: Vp deme watere vindet men vele voghele de men nomet heth

Nr. 18: Vppe deme watere vindet man vele vogele de men het byt.

Nr. 15: Daz selbe heilige crutze hatten die juden ver- .borgen vnder den fels den man nennet (aluarie locus

Nr. 5: Dat sulue hilghe cruce hadden de ioden vor- borghen vnder der erden under deme velde dat men nomet Oaluarie

Nr. 18: Dat sulue hillige crutze hadden de joden vor- borgen vnder der erden vnde under deme velde dat men nomet Caluarie.

Insbesondere die Hamburger-Hs bietet mehrere Belege für veld, velt, entsprechend einem hd. fels, während Nr. 18 dieses Wort gewöhnlich durch barch oder wall übersetzt.

Nr. 15: Hunren die gut wolle tragent und keine federn

Nr. 5: Honeren dede gude wulle draghen vnde bome vedderen |

Nr. 18: Honren dede gude wulle dragen vnde neyne vedderen. | |

Das sinnwidrige bome ist zweifelsohne aus einer Form mit anlautendem % entstanden.

Nr. 15: Egypten ... mag nit breit sinbrestehalb des wassers Nr. 5: Egipte ... mach nicht breyt sin half breyt waters Nr. 18: Egipten ... ne mach nicht breyt sın twis- schen beyden wateren.

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B. Michel Velsers Uebersetzung.

1. Halle, Universitäts-Bibliothek, Yd 8, 4°. Pergament. 14. Jh. Der Handschrift ist ein auf Papier geschriebenes Register vorgeheftet. Dieses Register beweist, dass dem Schreiber die ganze Handschrift bekannt war, deren Blät- ter 1—10 und 48 Schluss fehlen. Nach dem Register war auf Bl. 69 der Anfang des letzten Kapitels (Item von den abgottern der heyden). Auf der Mehrzahl der Blätter sind Spuren von abradierten Texten erkennbar. Die Hs gehört der 2. Hälfte des 14. Jhs. an und ist zum Teil reskribiert. Von &@iner Hand in schöner, steifer, kleiner Buch-Kursive ge- schrieben, die auf den ersten Blick älter erscheint. An die Stelle der am Anfang fehlenden 10 Pergamentblätter ist ein Quintern von Papier eingesetzt, der erst im Anfang des 15. Jhs. beschrieben sein kann. Somit enthält die Hs im ganzen 47 Bll. nach Einrechnung des Registers. Der Einband ist ein Holzdeckel mit Ueberzug von weissem Schweinsleder. Er stammt aus der Zeit um 1400. Kapitel mit roten Ueber- schriften, abwechselnd mit roten und blauen Initialen be- ginnend. Die Sprache erscheint als oberdeutsch-fränkisch.

Ueber den Inhalt der Hs unterrichtet uns das auf Papier geschriebene Inhaltsverzeichnis: Das Register obir das büch das man nenet Johann von Mandeuilla und eyn lantferer was.

Bl. 12 (Nach alter Signatur XI) Rubr.: Hic narrat de magna Babilonia quam edificaust Membrot suo tempore. Text: Sıder sch euch gesagt han von dem chlain Babilonia do der soldan wont nun wil ich euch sagen von dem grossen Babilonıa do die sprach sich vervandelt alz Got wolt do der grozz turn fon Babel wart an gefangen

Bl. 37b (Nach alter Zählung 47b): und daz volck von dem land tregt ycleicchz aıinen achsen vor ım.

- Die Beschreibung verdanke ich Herrn Dr. phil. Gieraths, Halle.

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2. Giessen, Hessische Universitäts-Bibliothek, Nr. 992, in Klein-fol. Papier. 14—15. Jh. Sammelband. Ospaltig. Rote Initialen und Ueberschriften.

Anfang Bl. 54%: Do ich da haim vsz für ın dem müt daz ich wolt varen uber mer dem hailigen grab und dem gesegnoten ertrich daz man ın latein haizt Terra Promis- sıonis

Schluss Bl. 104%: Dar vmb bitt ich all güt cristen daz Got wellen fur mich bitten mit aınem paternoster daworten daz ich den barmhertzigen Got in vener welt gern wil fur wv bitten vnd daz vns Got allen verleich nach disem leben das ewig leben. Amen.

Darunter: I/ste liber est Marquardı Waltheri (Custodis ecclesie sti Mauriciv Aug.

Die Hs kann ihrem Charakter nach ebensogut dem 14. Jh., etwa um 1390, als auch dem 15. angehören. Die erste der in dem Sammelband vereinigten Handschriften war im Jahre 1400 im Besitz des Ulrich Walther des Alten. Die Walther sind eine Augsburger Patrizierfamilie, in der der Hand- schriften-Sammelband weitervererbt wurde.

Prof. Dr. K. Ebel hatte die Güte, mir über diese Hs nähere Auskunft zu geben.

3. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 332, fol. Papier. 109 Bll., von denen 2 unbeschrieben sind. Bl. 83 ist beschädigt. Rote und grüne Initialen, rote Ueberschriften. Dem Texte geht ein rot geschriebenes Register voran (Bl. 12-32): Hie merchket das register ditz püchs waz malerı es sage. Jtem an dem ersten plät die vor rede. Jtem an dem andern plat nennet sıch der ritter mit namen.

Anfang Bl. 4% (Nach alter Zählung If): Do ich da haym auz für jn dem müt daz ıch wolt faren über mer dem heyligen yrabe vnd dem gesegenten ertreich daz man jn- latein ha:isset Terram Promissionis

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Schluss Bl. 107% (früher OxiiiT): Dar vmb pit ich all güt christen daz Got wellen für mich piten mit ainem pater noster de warten daz sch den parmhertzigen Got jnener werlt gern wıil für ewch piten daz uns Got allen verleich durch seiner gruntlosen parmhertzichait willen nach disem leben daz ewig leben. Amen. Deo gracias.

Darunter (rot): Das püch ist volbracht wörden jnder iar zahl nach Christi gepürde tawsent vierhundert iar dar nach jn dem newnten tar.

4. Warschau, Universitäts-Bibliothek, Niem. Q. 4. 1. Papierhandschrift vom Jahre 1412 in 4°. 120 Bll. Das letzte Blatt verstümmelt. Kursivschrift mit gemalten Initi- alen, roten Summarien und Rubriken.

Anfang Bl. 1%: Do ich waz do haim vnd aus fur in dem muet das ich wollt varn über mer zu dem heiligen grab vnd zu dem gesegnten erdreich daz man in lateın haisst Terram Promissionis

Schluss Bl. 120°: Darum pitt ich all gut christen daz sy Got wellen für mich pitten und für den schreiber der gegen- bürtich puch geschriben hat. Vnd hat ez geendet da man zalt nach Christi gepurt tausent und vierhundert jar und in dem zwelften jar am phincztag nach Sand Mathie tag dez heiligen zwelfpoten ın der vasten.

Diese Handschrift befand sich früher in der Kaiserl. Öffentl. Bibl. zu St. Petersburg (Vgl. R. Minzloff, Die alt- deutschen Handschriften der Kaiserlichen Öffentlichen Bi- bliothek zu St. Petersburg. St. Petersburg 1853). Laut der Bedingungen des Rigaer Friedensvertrags vom 13. Juni 1924 wurde sie an die Polnische Regierung übergeben.

5. Breslau, Stadtbibliothek, M 1073, in folio. Papier. 1414. Die Hs., die sich früher in der Bibliothek der Kirche zu St. Maria Magdalena befand, hat durch Nässe stark ge-

3

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litten, so dass manche Stellen des Textes unleserlich ge- worden sind. Der Band umfasst 192 beschriebene, von alter Hand bezifferte und eine grössere Zahl unbeschriebener Blät- ter. Voran geht auf 3 unbezifferten Blättern ein Register in roter Tinte, das von einer erst dem 16. Jahrhundert ange- hörigen Hand geschrieben ist.

Anfang Bl. 12: Do sch da haim auz fur ın dem mut daz ich wolt faren ober mer zcu dem heiligen grab vnd czu dem gesegeten ertreich daz man ın lateın haisset Terram Promis- svonis

Schluss Bl. 1922: Darumb pit ich all gut christen daz sy Got wellen für mich piten mit ainem paternoster de warten daz sch den parmherczigen Got in ener welt gern wil für euch piten daz vns Got allen verleich durch seiner grunt- losen parmherczichayt willen nach disem leben daz ewige leben.

Hierauf folgt in roter Tinte die Schlussschrift, aus der sich die Datierung der Hs ergibt: Das puch ıst volbracht worden ın der jar czal nach Christi gepurde tawsent vier hundert jar dar nach ın dem virczehenden jar an dem nech- sten dinstag nach Johannıs Baptiste. Ista est voluntas patrıs nostri.

Gütige Mittelung von dem Direktor der Stadtbibliothek zu Breslau, Prof. Dr. M. Hippe.

6. Bamberg, Staatliche Bibliothek, Mse. hist. 182, fol. Papier. 1415. 91 Bll. Bl. 1 unten beschädigt. Von Nicolaus Hohenstat geschrieben.

Anfang Bl. 1%: Do sch von heymen ausz für in dem mut das sch wolt faren vber mer tzü dem heiligen grab vnd tzu dem gesegenten ertreich das man in lajtei(n) heiszet Terra Promissionis

Schluss Bl. 90°: Darvmb pött ich all gut cristen das sie Got für mich wöllen pijten mit einem pater noster denworten

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das ich den parmhertzigen (rot jn yener werli auch gern für euch wil pYten vnd das Got allen verleyhe nach disem leben das ewig leben. Amen etc. etc.

7. Klosterneuburg, Stiftsbibliothek, Nr. 1083. Papier. - Der Band, der mit mehreren ın Farben und Gold ausge- führten Initialen geschmückt ist, hat 228 Blätter und ist nach einem Vermerk auf Bl. 219 von Johannes Levoch aus Klosterneuburg im Jahre 1425 geschrieben worden. Die Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst die Bll. 1—173. Auf Bl. 174-219 findet sich eine deutsche Uebersetzung der Peregrinatio in terram sanctam des Odoricus de Por- denone. |

Anfang: Do ıch von haym aus für ın dem müt das ich wolt varen uber mer czu dem h. grab und czu dem gesegenten erttreich

Schluss: Darumb pitt sch all gutt chrısten das sy Got für mich wellen pitten mit einem pater noster und der warten das ich denn paremherczigen Got in ener welt gern wıl fur ew pıitten und das uns Got allen verleich nach dysem leben das evig leben. Amen.

Die Beschreibung dieser Hs verdanke ich Dr. Berthold Cernik, Klosterneuburg.

8. Dresden, Sächsische Landesbibliothek, F 184P, in quarto. Papier. Von Ulrich Gampler im Jahre 1433 ge- schrieben. Die Hs zählt jetzt 186 Bll; da das dem Text vor- angehende Register mit dem Inhalt von fol. liiij) anfängt, fehlt wahrscheinlich ein Blatt am Anfang. Rote Initialen und Ueberschriften. Randbemerkungen von späterer Hand.

Anfang Bl. 3%: Do ich von haijmant aue für in dem müt daz ich wolt varen vber mere dem hejligen grab vnd dem gesegenten erthreich daz man ın latein haizzet Terra Promissionis

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Schluss Bl. 186%b:Dar vmb pitt ich all güt cristen daz sy Got wellen für mich pitten mit ainem pater noster der worten daz ich den parmherzigen Got wıl geren ın ener welt für euch pitten|| vnd daz vns Got allen verleich nach dyjsem leben daz ewig leben. Amen.

9. Maihingen, Fürstl. Öttingen Wallerstein’sche Biblio- thek, Hs. I 3 4°. 8. Im Jahre 1434 geschrieben.

Anfang Bl. 2%: Da ich von heim ausz füer ın dem. müt daz ich wolt faren vber mere dem hayligen grabe vndzü dem gesegenten ertrich daz man nennt Terra Promissionis

Schluss Bl. 171P: Darvmb pitt ich all güt cristen daz sie Got wöllen fur mich pitten mit einem pater noster vnd aue maria etz. Anno etc. zazıny completum feria quinta ante walpurgis virginis etc.

10. München, Universitätsbibliothek, Cod. ms. 179. Papier.

Ueberschrift: Jnnomine dominı Amen 1434. Hie hebt sich an das puch rittersz herr Johansen von Montafilla wie er durch dy werlt gezogen ist etc.

Anfang Bl. 3%: Do ich von heym ausz für in dem müt das ich wolt faren vber mer zu dem heyligen grab vnd zu dem gesegentem erttreych das man zu lateın haysset Terra Pro- MAISSTONIS

Schluss Bl. 102b—103%®: Dar vmb pit ich all gut crysten das si Got wollen fur mich piten mit || einem pater noster vnd aue maria dar vmb das dem parmhertzigem Got jn gener werlt fur euch well piten und das vns das allen Got verleich nach dysem leben das ewig leben. Amen.

Darunter: Explicit phermanum Mendel de Valli Angeli anno ccce’xzxiiij° jn vigilia asumpecionis beate Marye virginis etc. etc. Et hoc jussit Conradus Hayden dum tem- pus Ambergk etc.

re

11. Donaueschingen, Fürstl. Fürstenb. Hofbibliothek, Nr. 483. Aus dem Jahre 1435. 2spaltig; die letzte Seite ist eine Halbseite.e Von Nicolaus Burger von Weilheim ge- schrieben.

Ueberschrift: Dis büch seit von ainem ritter von Engelant der für über mer zu dem haıligen grab. Der ritter hies her Hans Mandeuilla. Got gnäde ime.

Anfang Bl. 1%: (D)o jch von hinnan usz für jn dem müt vnd jn der sach das ich wolt faren über mer dem hatligen grab vnd dem gesegnoten ertrich das man jn latın nempt Terra Promissionis

Schluss Bl. 712: Vnd da von so bitt ich all cristan lüt das si Got für mich wöllen bitten mit ainem pater noster vnd aue marıa den worten das ich den almächtigen Got wıl gern für üch bitten hie vnd in jenr welt vnd das vns Got allen verlych näch disem leben das &wig leben. Amen.

12. Wolfenbüttel, Braunschweigische Landesbibliothek, Cod. 23. 10. Aug. (v. Heinemann 3274). Papier. 218 Bll. Im Jahre 1436 geschrieben. Rote Ueberschriften und An- fangsbuchstaben.

Ueberschrift: Assıt in princıpıo sancta Marıa meo her Hans uon Mondauilde dar jnn er sagt uon mangen wunder- lıchen läwtten vnd stetten die enhalb des mersz sind etc.

Anfaug Bl. 12: Do ich von haimen aus für in dem müt das jch wolt farn vber mer dem haılıigen grab und dem gesegneten ertreych das man in latın hayst Terram Promis- stonis

Schluss Bl. 2182: Dar vmm püt ich all güt kristen das sy Gott wellen fur mich pYtten mit ainem pater noster vnd mit ainem aue maria dar vmm so wil jch den parmhertzingen Got ın jener weld gern fur sy all pytten und das uns (Got ver- leych nach dissem leben das ewig leben. Spricht alle amen

her Got.

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13. Tambach, Gräfl. Ortenbergsche Bibliothek, Nr. 7, fol. Papier. 1444. 63 Bll. 2spaltig.

Anfang: ... reich vnd bin gevarn durich Armenia das gross vnd das klaın durch Tartharey durch Persya durch Syrana |

Schluss: /ch Hans von Montevilla fur aus meyne land vber mer do man von ÜOristi gepurt tauset drewhundert vnd zwey vnd zwegntzich jar etc. Explicit per me Johen Klen tunc temporis in Vilshouen anno domini m? ceccxlüij.

Vgl. Serapeum Nr. 22 (1842), S. 345.

14. London, British Museum, Add. Nr. 18026, ın quarto. Papier. 1449. 2spaltig. Auf der letzten Seite unter dem Texte nennt sich der Schreiber mit Namen: et explicıt per rum. |

Anfang Bl. 12: Do ich von heim ausz fur in dem mut als ich wolt faren vber mer dem heyligen grab vnd zu dem gesegnetten ertrich daz man ın latein heyst Terra Promis- sTonTs

Schluss Bl. 659: Dor vmb pit ich al gut cristen daz sy Got fur mich pitten wollent mit einem pater noster dar vmb daz ich den paremhertzigen Got in gener welt geren fur euch pitten vnd das vns Got allen verleych nach disem leben dein daz ewig leben. Amen.

15. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 594, fol. Papier. 107 Bll. Sammelband, von verschiedenen Händen geschrieben. Mandevilles Reise findet sich auf Bl. 1—72. Das letzte Stück (Bl. 84-107) ist im Jahre 1449 geschrieben. Rote Initialen und Ueberschriften.

Anfang Bl. 1%: Do sch von haım ausz für in dem müt daz ‘ich wolt varen vber mer zu dem heiligen grab vnd dem geseyenten ertreich daz man ın lateın haist Terra Promis- sıonis

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Schluss Bl. 71P: Darvmb pit ich all güt christen daz sy wellen (ot für mich piten mit einem pater noster der warten daz ich den parmhertzigen (Got ın ener werlt geren wıl für euch piten vnd daz vnsz Got allen verleich nach diszem leben daz ewig leben. Amen.

16. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 4872, ın quarto. Papier. 1456. 197 Seiten. Rote Initialen und Ueber- schriften. Die Hs ist am. Schluss unvollständig.

Anfang 8. 69: Do ich von ham aus füer in dem namen das ich wolt varen über mer zw dem heyligen grab vnd zw dem gesegenten erdreich das man ın lateın haisset Terram Promissionis

Schluss S. 197: Sy sprachen wir begeren chains reich- tumbs nicht dann allaın das uns Got geb dy genad. das vns das wol gerat was ın vnseren lannden wechst damit wir unseren leıb mugen erneren. Anders reichtumbs begeren wir nicht in diser werlt. Amen.

Darunter: Explicit liber per me Johannem Fritzen per manus et non per pedes.

17. Wernigerode, Fürstl. Stolberg’sche Bibliothek, Zb 25, in quarto. Papier. Am 7. Sept. 1459 beendigt. Die Hs ist mit zahlreichen primitiven Tuschzeichnungen von seltenen Menschen und Tieren geschmückt. Dem Text voran geht auf Bl. eine kolorierte Zeichnung, die »Johannes de Montefilla» in ritterlicher Haustracht darstellt. Am Anfang und Schluss unvollständig.

Anfang Bl. 2%: Ich Johannes von Monte filla ritter geborn zu Engelland ın einer stat haiszt Sannt Alban fur uusz uber mere da man zalt von Cristi gepurt tausend drewhundert und zway und zwantzig jar -

Schluss: Kam wider haym und must rasten von eins

N Tr a ar er

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siechtags wegen der mich an kam wenn ich gern noch mer wunders erfarn hett und wasz aus gewessen zwelff jar. Amen.

Die Mitteilung verdanke ich Dr. phil. Wilh. Herse.

18. Basel, Universitätsbibliothek, E II 8, fol. (früher E IV 1). Papier. 1460. Sammelhandschrift. 142 Bll. 2spal- tig. Mandevilles Reise findet sich auf Bl. 1-54, bzw. 56.

Ueberschrift: Hie hebt sich an das büch des ritters herr Hansen von Mandafılla von Engelland etc. etc. etc.

Anfang Bl. 1%: Do ich in der meinunge usz reitt und jn dem mütt das ich wolt varen jn das gesegnet land uber mer das man jn latın nemet Terra Promisyonis

Schluss Bl. 54P: Dauon bitten ich all getrüawe kristen lüt daz sy Got für mich wellent bitten jn den worten das ich den almechtigen Gott wil yern für üch bitten vnd das vnsz Got verlich nach disem leben das ewig leben des helff vnsz der vatter vnd der sun vnd der heilig geist. Amen.

Auf Bl. 54V bis 56” folgen, wie mir Prof. Dr. G. Binz gütigst mitteilt, noch einige Nachträge zu Mandeville. Der erste beginnt: Wir dalamaneser almechtiger keiser von Kar- tago ein soldan ..., der zweite: Es ıst zu wissen das disz bild ist unser fröwen bild ..., der dritte: Ein baldach mächtiger kung vnd soldan zu Babilonie ... Schluss: Geben ze kaspaw unser geburt lxxxı jar vnsers rıchsz am zwölften jar vnd vnser secret etc.

19. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 1066 (früher in Efferding; Signatur 55, Nr. 2). Papier. 393 Bll. Die Mandevillesche Reisebeschreibung umfasst die BIll. 231—393 und ist von Petrus Seltzem von Santterför im Jahre 1462 geschrieben. Nach dem eigentlichen Texte, der ın 98 Kapitel eingeteilt ist, findet sich auf Bl. 3902-—-3938 ein Register. Der Schreiber hat sich vieler kürzeren Interpo- lationen schuldig gemacht. Am Schluss unvollständig. Bair.

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Ueberschrift Bl. 231%: Die vorrede des puechs Johannis de Monte villa darjnne er vns vast ermandt und weyst ze kömen jn vnser erib des verlobtten vnd gehayssen lanndes Jherusalem.

Anfang: Da ıch von haim aus für jn dem muet das ich wolt faren vber mer zw dem heiligen vnd gesengtten ertreich das man haist in dem lateın Terra Promissioniss

Schluss Bl. 389: Da pracht mich der siechtumb vm den man nennet podogra. Da mit hat das püch ain endt Got der herr vns al zw dem hymmelreich sendt. Amen.

20.‘ Wien, Nationalbibliothek, Cod. 12475, fol. Papier. Aus dem Jahre 1465. 139 Bll. 2spaltig. Rote Initialen.

Anfang Bl. 12: Do sch do hayme ausfur ın dem mut das ich wolt faren uber mer tzu dem harlıgen grabe vnd zu dem gesegenten ertreich das man in lateın haisset Terram Pro- missionis |

Schluss Bl. 139°: Dorumb pit ich alle gute kristen das Got wellen fur mich piten mit ainem pater noster den worten das ich den parmhertzigen Got jn yener welt geren wıl fur euch piten das vns das Got allen verleich durch sein grunt- lase parmhertzikait willen noch disem leben daz ewige leben. Amen.

21. Göttingen, Universitäts-Bibliothek, Hist. 823, fol. Papier. 1470. I+ 132 Bll., von denen die ersten etwas be- schädigt sind. 2spaltig. Rote Initialen und Ueberschriften. Auf Bl. 132 nennt sich der Schreiber mit Namen: Finitlus ist Iiber ıste per me (onradum Blannckhen de Kyemsee ... a. d. 1470.

Ueberschrift Bl. 1: Ich Hans von Montevilla ritter wol ob ıch sein nicht wirdig bin gebornn erzogen ın Engenlandt in ainem dorff Sand Alam hat dits buech gemacht ın fran- tzoyscher zung.

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Anfang: Do ich von haym ausfuer Schluss Bl. 72%: Ich Johans von Montevilla fuer von

meinem lande ... drewtzehen hundert jar und zvay und zvaintzig var... und was enhalb mers untz ... drewtzehen hundert und lij ... das evig leben. Amen.

Vgl. Verzeichnis der Hss ım Preussischen Staate, her- ausg. von W. Meyer. I Hannover. 2 Göttingen 2. Berlin 1893. S. 274.

22. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 695, in quarto. Papier. 1473. Sammelhandschrift. 141 Bll. Rote Initialen und Ueberschriften. Die letzteren sind erschöp- fend, hören jedoch nach Bl. 21 ganz auf.

Anfang Bl. 12: Do ich von hayem aus für jn dem mütt das ich wolt faren vber mer dem harlıgen grab vnd dem gesegnot ertrich das man in latein haist Terram Pro- MISSIONTS

Bl. 2b: ... dorff das haisset Alan vnd für über mer... m Cice vnd xzxij iar(!)

Schluss Bl. 128P: Dar vmb so will ich den parmhertzigen Gott in jener welt geren für sy all pitten vnd das vns (Got verleich nach disem leben das ewig leben. Sprecht alle Amen herr Got etc. Deo gracias etc. Darunter: 1473 jar an Symon vnd Judas anbent.

23. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 252, fol. Papier. 1477—1480. 213 Bll. Sammelhandschrift, enthält u. a. ein Fragment von Marco Polos Reise. Die Mandevil- lesche Reisebeschreibung umfasst nur Bl. 79—87. Gemalte Initialen. Ä

Anfang: frucht dye vnns hatt erlöszt von dem ewigen tode dauon aın yeglicher crıstan der es vermöcht der solt geren vnd mit grosser andacht süchen das lanndt das vns Gott der herre mit seinem haylıgen plütt geharliget

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Schluss: Vnd ir vatter hiesz Costras oder Ehohels. Die selb Elena was Üonstantinus mütter des kayjsers zü.

24. Heidelberg, Badische Universitätsbibliothek, Pal. germ. 806, fol. Papier. 131 Bll. 2 verschiedene Hss; Mande- villes Reise steht in Doppelkolumnen auf Bl. 22—-47% und stammt aus dem Jahre 1478. Unvollständig.

Anfang: (D)o ich von haymen ausz fur in dem müt das sch wolt farn uber mer zu dem heyligen grab

Schluss: von den landen die gen orient wercz sein so ich aller kurczs kan. Ir sult wissen.

Vgl. Bartsch, Kat. der Hss der Univ.-Bibl. ın Heidelberg. Bd I, 1887. S. 179.

25. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 912. Papier. 15. Jh. 203 Bll. Auf Bl. 145-203» Mandevilles Reise in Doppelkolumnen. Rote Initialen und Summarien. Nach alter Paginierung lvij Bll. + 3 Seiten Register, das von anderer Hand geschrieben ist. Obd.

Ueberschrift: Hye hebet sich an herrn Johansen ryter büch das do genant ıst de Montevilla und sagt gar aygenlich alles das er genhalb mers erforn hät.

Anfang: Do ich von haymen aüsz für in dem müt das ich wolt farn vber mer zw dem hejligen grab vnd zw dem ge- sengten ertrich das man jn lateın haisset Terra Promissionis

Schluss Bl. 201°: Dar vmb so bitt ich alle gute crısten menschen das sıe Got fur mich wollen pitten sein mitt einem pater noster und einem aue maria.

26. London, British Museum, Add. Nr. 10129, fol. Pa- pier. 15. Jh.

Anfang Bl. 32: Da ich von ham ausz für in dem müt daz ich wolt faren dem haylıgen grab vnd dem ge- segenten ertrich daz man in lateın haiszet Terra Promis- svonTs

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Schluss Bl. 120%: Darvmb bitt ich all güt crısten daz sıe Got fur mich biiten etc.

27. Maihingen, Fürstl. Öttingen Wallerstein’sche Bib- liothek, Hs I 3 fol. 11. Papeir. 15. Jh.

Anfang Bl. 2%2:Do ich da haıim aüs für indem müt das ich wolt faren vber mer zu dem heiligen grab und zu dem ge- segenten erdreich daz man inlatein haisset Terra Promis- sTonIs

Schluss Bl. 1382: Darumb pitt sch all gut christen daz si Got fur mich piten mit ainem pater noster dewarten daz ich den parmhertzigen Got jn vener welt gern will fur euch piten daz vns Got allen verleich durch seın gruntlose parmhert- zichait willen noch disem leben daz ewig leben. Daz ver- leich vns Got der vater vnd der sün vnd der heylig gaist. Amen. Deo gratias. Darunter: Scriptus est liber iste per me Fridricum de Swobach.

28. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 299, fol. Papier. 15. Jh. 156 Bll. 2spaltig. Rote Initialen und Ueber- schriften.

Anfang Bl. II® (Bl. I fehlt): Do jch von haim aus für in dem müt daz ich wolt varn über meer zu dem haylıgen grab vnd zu dem gesegenten ertreich daz man ın lateın hayst Terra Promissionis

Schluss: Bl. Cxx@: Dar vmb so pitt jch all güt christen daz sy Got wellen für mich pitten mit ainem pater noster der wartten daz ich dem parmhertzigen Got ın enr werlt gern wil für ewch pitten vnd daz üns Got allen verleich nach disem leben daz ewig leben. Amen. Deo gratias.

29. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 694, in quarto. Papier. 15. Jh. 88 Bill. Bl. 22 u. 23 mit 34 u. 35 verwechselt. Rote Anfangsbuchstaben. Keine Ueberschrif- ten. Sehr unvollständig.

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Anfang Bl. 1%: Do ich von haimen aus in dem müt das ich wolt varen über mer zu dem heiligen grab vnd zu dem gesegenten ertreich das man in lateıin haıst Terra Promıs- STonis

Schluss Bl. 88b: Do sprachen sie das sie chains reich- tumbs nicht begerennt wolten wann allaın das sy Got dye genad gäb das in jrem lannd wüchse do mit sy iren leıb möch- ten erneren. Anders reichtumbs pegerten sy nicht in dysser welt.

30. Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter, B IV 37, in quarto. Papier. Wie es scheint, in der zweiten Hälfte des '15. Jhs. geschrieben. Rote Initialen und Kapitelüber- schriften. |

Anfang Bl. 1: Jch Johan von Mandevilla ritter do ich von haym aus fur in dem mut das ich wolt varen yber' mer tzw dem heiligen grab vnd tzw dem gesegenten ertreich das man ın lateın haist Terra Promission:s

Schluss Bl. 122: Darum pitt ich all gut christen das sy Got für mich wellen pitten mit ainem pater noster der warten das ich den parmhertzigen Got ın ener welt gern für euch pitten wiıl und das uns Got allen verlaich nach disem leben das ewig leben. Amen.

Nähere Auskunft über diese Hs verdanke ich den Be- mühungen des schwedischen Vize-Konsuls zu Salzburg, Herrn Dr. Th. G. Rakns.

31. St. Paul in Kärnten, Stiftsbibliothek, Cod. Hosp. 210, in quarto. Papier. Die Schrift dürfte dem frühen 15. Jh. angehören. 190 Bll., von denen die Bll. 107—190 die Mande- villesche Reisebeschreibung enthalten. Zwischen Bl. 106 u. 107 sind die Reste von 2 Blättern zu sehen. Am Schluss un- vollständig.

Anfang: Do ich von haım aus für Yjnn dem müt das ich

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varen wolt übir meer zu dem haylıgen grab vnd zu dem hay- ligen ertreich das da hayazt ın lateın Terram Promissionis

Schluss: Nicht verr dauon do sind ... (unleserl. Wort) insel die halten auch denselben sitten vnd die gewonhait die ın der inseln ıst do ich euch yezund gesagt hab. Die aın hayzzt Midreich die ander Geneseph. Die leutt von den- selben.

Die Mitteilung verdanke ich Herrn Prof. P. Th. Raschl.

32. Wien, Nationalbibliothek, Cod. 2850, fol. Papier. 15. Jh. 128 BIl., das letzte beschädigt. Rote Initialen und Ueberschriften. Randbemerkungen von späterer Hand.

Anfang Bl. 2%: Da ich von haym aus fur ın dem müt daz ich wolt faren über mer tzu dem heiligen grab vnd tzu dem gesegenten ertreich daz man ın latein hayszet Terra Promıs- sıon.s Ä Schluss Bl. 1280: Darvmb pitt ich alle gude kristen das sy Got wellen fur mich pitten mit ainem pater noster den worten das ich den parmhertzigen Got ın jener welt auch gern vmb euch will pitten daz uns Got allen verleich nach disem leben daz ewig leben. Amen. Deo gracias.

33. Nürnberg, Stadtbibliothek, Solger 34, fol. Papier. 16. Jh.

Anfang: Do ich von haım auz fur in dem mut daz ich wolt varen vber mer zu dem heiligen grab und zu dem gesegenten ertrich daz man ın lateın haist Terra Promissionis

Schluss: Darumb bitt ıch all gut crısten daz sy Got wellen fur mich pitten mit einem pater noster der worten daz ıch den parmhertzigen Got in jener werlt gern wıl fur ew pitten vnd daz vns Got allen verlich nach diesem. leben daz ewig leben. Amen. Deo gracıas.

% %

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Ueber Michel Velser wissen wir nur wenig. Er erzählt von sich selbst ın den Text eingeschaltet dass er grös- sere Reisen unternommen und sonderbare Dinge gesehen habe. Nach Cgm 332 führe ich hier einige Stellen im Texte an, wo er sich mit Namen nennt.

Bl. 15%: Aın vntz ist das erst gelid an dem daiwme. Also hab ıch Michel Velser jn aıner glos fünden geschriben

Bl. 222: Es sol ewch nicht aın wunder dünchken wann ıch Michel Velser der ditz püch hat dewtsch pracht hab ge- sehen ainen hunt Pauia

Bl. 74%: Das ıst sicher war. Mich Michel Velser dünch- ket aın welisch mei wann er offt aın leg nennet für aın welische meil

Bl. 96%: Ee daz ich fürbaz chüm so wisset das mich Michel den Velser von allen sachen die diser edel ritter beschriben hat... |

Im allgemeinen hält sich seine Uebersetzung getreu an die gewöhnlichere französische Version. Die Kürzungen sind meistens von geringer Bedeutung, Fremdwörter erklärt er, oder er gibt zu, dass er sie nicht versteht. Um Unwahr- scheinliches in der Reise glaubwürdiger zu machen, ver- schmäht er es nicht, mit eigenen seltsamen Erlebnissen bei- zutragen. Ob er wirklich, wie Roethe meint, der erste deut- sche Uebersetzer von Mandevilles Reise ist, ist ungewiss.

Wie die Version Ottos v. Diemeringen hat auch die Vel- sersche ihren Weg in die Volksbücher gefunden ”. Anfäng- lich dürfte sie verbreiteter gewesen sein als die erstgenannte.

Auf eine Darstellung der Handschriftenverhältnisse dieser Version habe ıch verzichten müssen, da mir in man- chen Fällen die Benutzung der Hss unmöglich gewesen ist.

! Vgl. Roethes Artikel über Michel Velser (Allgemeine Deutsche Biographie 39: 576).

? Karl Simrock, Die deutschen Volksbücher. Bd. 13. (Durch Ottos Uebersetzung ergänzt). Frankfurt a. M. 1867.

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Es sei hier nur bemerkt, dass die Behauptung Bovenschens', die deutschen Hss der Velserschen Fassung hätten durch- gängıg den Fehler Alan, Alaun, Alon, der also schon der Vorlage oder mindestens der deutschen Originalübersetzung zuzuschieben wäre, nicht zutreffend ist. Die Wernigeroder- Hs Zb 25 liest nämlich Sannt Alban.

Ö. Uebertragungen aus dem Niederländischen.

1. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 550. Pergament. 14. Jh. 83 Bll. Vom ersten Blatt des Tex- tes ist nur ein Bruchteil bewahrt, vom zweiten fehlt unge- fähr die Hälfte. Die SS. 7—44 sind unten beschädigt. Rote Initialen und Alphabete. Ergänzungen von späterer Hand. Auf Seite 94 (entspr. Cramer 141,2-5) und S. 115 (entspr. Cramer 174,#7—175,) ist der Text sorgfältigt ausradiert. Die Hs ist am Schluss unvollständig. Sprache Ripuarisch.

Ueberschrift: Jn dem namen ... vns unse kinder.

Anfang: Want da... datheu...iddatv....ouerste... heiliget und gecons ... durbaıren bloide vn ... beheygelich was jnd

Schluss S. 166 (= Cramer 259,12-14): Bi deisem koninc- riche sint zwey andere eylande de eine heyst Orille vnd dat ander Argıtte. Vnd al dat lant van deisen eylande.

2. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Quart. 271. Pergament. 14. Jh. 131 Bil. Nach Bl. 7 Lücke von acht Bll. (entspr. Cramer 10,5—26,7), die wahrscheinlich schon beim Einbinden vorhanden war, da sie bei der Blätter- zählung nicht berücksichtigt worden ist. Bl. 2P unbeschrie- ben. Rote Ueberschriften, Anfangsbuchstaben und latei- nische Zitate. Auf Bl. 131® befindet sich ein Lanzenritter in verschiedenen Farben nebst einem von anderer Hand ge-

ı A.a. O. S. 182.

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schriebenen Vermerk: Jn jaeren vns herrn M cccc ix. Dem in 64 Kapitel. eingeteilten Texte geht auf Bl. 1?—2% ein mit roter Tinte geschriebenes Register voran. Sprache Ripua- Tisch.

Bl. 12: Dit is die torffel inde capittele dis büschs wie man yegelichen sın süken sal na deme gezale als her näü geschreuen steyt ın den eirsten.

Bl. 3% Ueberschrift: In (de)n name des uaders inde des soins inde des heyligen geystes. Amen.

Anfang: Want dat also is dat lant van Öuer mer dat ıs zu wissen dat heylige lant der geloueden vnder alle anderen landen is dat vszircorenste ıinde wertste inde vrouwe inde öuerste under allen anderen inde bouen allen anderen lande

Schluss Bl. 1312: inde alle denc ıinthaldende wilche geyn güit in mach besseren noch geyn quoit in mach ergeren de in volcomender driueldicheyt leift inde regniert ın der ewicheyt inde ın allen ziden. Amen.

3. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Quart. 322 (früher in der Bibl. Paulina zu Münster). Pa- .pier. 14. Jh. 215 Bll., von denen 2 unbeschrieben sind. Die letzten Bll. oben beschädigt. Beim Einbinden sind BI. 2 u. 9 verwechselt worden. Weiter muss auf Bl. 97 Bl. 105 folgen. Raum ist gelassen für die Initialen. Der Text bricht auf Bl. 213b (= Cramer 248,10) unvollständig ab. (Die Bemerkung ım handschriftlichen Katalog der Staatsbibliothek »reicht nur bis zum Ende d. 4.: Buches» trifft nicht zu, da die Ein- ‚teilung in Bücher für die Diemeringensche Version bezeich- nend ist, nicht aber für die dem Ndl. entstammenden Hss.). Sprache Niederdeutsch.

Anfang Bl. 12: Want dat also... (Loch)dat dat lant van ouer meer ıs dat hillige lant der gelofften vnder allen an- deren landen ıs id dat viterkorenste vnd dat werdigeste vnd vrouwe vnd ouerste van allen landen

4

50

Schluss Bl. 2136: Jn desen lande vnd in al Indien syn harde vele cocodrillen als ick hıjr vor sede. Des nachles wonen se in water und des dages vp dem lande ın roetzen van der erden.

4. Düsseldorf, Staatsarchiv. 1 Bl. Pergament in gr. 4°. 14. Jh. 2spaltig. Ndrh. Der Text (entspr. Cramer 261,7 264,14) ist abgedruckt von Crecelius, Altdeutsche Neujahrs- blätter für 1874. S. 88.

Anfang: yn kan gesien dae de mure af gemaecht is

Schluss: va vınme man ... ger hande vermerlichs volx wil ... de men yn desen eylanden vn yn.

Vgl. Borchling, IV. Reisebericht, S. 76.

5. Berlin, Preussische Staatsbibliothek, Ms. Germ. Fol. 204. Papier. 1430. Die Hs war bis vor ein paar Jahren an den Inkunabel Summa Johannis Thodude, ımpr. Magdeburg 1498, angebunden. Der Band besteht aus 162 beschriebenen, etwa 150 unbeschriebenen und 2 Inkunabelblättern. Auf dem inneren Deckel findet sich ein Vermerk: Ex bıbl. Frid. Jac. Roloff. Zwischen den Bll. 87 u. 88 sınd eingefügt zwei dünnere, nicht paginierte Blätter mit Federzeichnungen im Anschluss an den Text, auf denen man liest: Von den Pla- neten und Himmlich Zeichen. Der untere Teil von Bl. 1 ist beschädigt. An der unteren rechten Ecke von einigen Bl. finden sich Spuren einer älteren Paginierung. Die Hs wird von mehreren Bildern geziert. Die Anfangsbuchstaben des dem Text vorangehenden Registers sind rot durchstrichen, die Initialen sind sonst abwechselnd blau und rot, die Ueber- schriften und die Paginierung rot. Das Anfangs-W des Tex- tes ıst schön illuminiert. Bl. I—VII2 enthalten das Inhalts- verzeichnis mit Ziffern, die auf die entsprechenden Seiten des Textes hinweisen. Stellenweise sind diese Ziffern von einer späteren Hand in moderner Form nochmals geschrie-

dl

ben. Auf Bl. VII2 steht ın roter Schrift: Jn anno 1430 was dit bok gescreuen. Auf Bl. 1510—1522, von späterer Hand: Von den 10 Creisse Jn Teutschlande. Die Bll. 153—155 ent- halten einen von späterer Hand geschriebenen Index. Am Rande wird mehrmals durch gezeichnete Hände auf beson- ders wichtige Stellen des Textes hingewiesen. Unter dem Text und auf dem Rande finden sich Zitate aus Sebastian Münsters Kosmographie', aus der Reisebeschreibung des Hieronymus Scheidt von Erfurt” u. a. m.

Nicht weniger als 17 Alphabete sind in dieser Hs ver- zeichnet, u. zw.

Bl. VII@: littere hebrayce und littere judenrum

» VII: » grecorum in Iherusalem

» 10%: Iitteras capıtales grecorum

» 252: ein »ägyptisches» Alphabet

» 30%: ohne Ueberschrift |

» 8322: Ilittere sarracenorum qui sunt sub soldano vel

calıphem - » 516: Tittere beate judeorum

» 622: ein russisches Alphabet

» 636: Tittere slauorum

» 68P: in sarrazynsz ofte heydensch

» 73b: ein »persisches» Alphabet

» 752: ein »chaldäisches» Alphabet

» 916: Littere de Jndia et Etiops

» 1086: Iitteras tartarorum

» 1252: Iittere georgianorum

» 151@: » sarracenorum scilicet turcorum.

! Sebastian Münster (1489—1552) war allgemein bekannt durch seine Cosmographia, eine Beschreibung aller Länder Sitten, Glauben u.8.w. Das Werk wurde ins Lateinische, Italienische und Französische übersetzt. Vgl. A. D. B. 23,30.

? Palästinareisender, geboren 1594 zu Erfurt. Seine im Jahre 1616

erschienene Reisebeschreibung ist wegen der vielen spannenden Aben- teuer, die sie enthält, sehr beliebt gewesen. Vgl. A. D. B. 30,712.

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Anfang des Textes Bl. 1%: Wante also ıs dat land van ouer see dat men heet dat hılge land van beloften vnder andere lande is dat vterkarneste vnde dat werdigeste vnde dat ouerste vnde vruwe van anderen allen landen

Schluss Bl. 1512: alle dingk heuet ın syn walt den wel- ken nen guet mach vorbeteren edder gheyn qwat mach ge ergheren de in vullenkomender glorie unde richeit leuet unde regneret in der ewicheit jn secula seculorum. Amen.

Die Hs ist von vier Händen geschrieben.

Hand 1 (Bl. IA—-1272) hat eine sehr schöne, leicht les- bare Schrift, die sich von derjenigen von Hand 2 und Hand 4 stark abhebt.

Hand 2 (Bl. 127b—137P, 138b—-150®) schreibt auch sehr deutlich; seine Schrift, 2 sich auch in orthographischer Hinsicht von der von Hand 1 unterscheidet, wird jedoch gegen Ende des Werkes etwas nachlässig.

Hand 3 (Bl. 1382) erinnert sehr an Hand 1.

Hand 4 (Bl. 150P [De beslutinghe des bokes] —1512) hat eine gewandte Schrift, die derjenigen von Hand 2 ähnlich ıst. Diese Schreiber unterscheiden sich indessen in der Ortho- graphie, indem Hand 4 mehr zu der Schreibweise von Hand 1 neigt.

6. Lüneburg, Stadtbibliothek, Ms. C 8, fol. Papier. 15. Jh. 168 beschriebene und 10 leere Bll. Rote Initialen und Ueberschriften. Das Anfangs-W wie ın Ms. Germ. Fol. 204. Die alte Paginierung ist jetzt durch eine zeitgemässere er- setzt. Die Hs wırd von ungefähr denselben Bildern und Alphabeten wie Ms. Germ. Fol. 204 geziert. Auf S. 3—13 dasselbe Inhaltsverzeichnis wie ın Nr. 5.

S. 15 Ueberschrift: Jncipit liber ordıne bono etc.

Anfang: Want dat also is dat dat landt van ouersee dat- men hetet dat hilghe landt van belusten under alle anderlande

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is dat dat uterkornste vnde dat alder werdeste vnde dat alder ouerste vnde vroude van allen andern landen

Schluss S. 316: alle dingk heuet in sın gewalt den welken nen guet mach vorbeteren edder gheyn qwat mach vor argeren de in vullenkomender glorie vnde richeit leuet vnde regneret ın der ewcheyt jn secula seculorum. Amen.

An der Hs sind zwei Schreiber tätig gewesen. Der An- fang des Werkes bis S. 120 ist das Ergebnis der Mühe eines weniger gewissenhaften Schreibers, während der letzte (grös- sere) Teil eine genaue Abschrift der Vorlage sein dürfte.

7. Soest, Stadtbibliothek, Nr. 28, fol. Papier. 15. Jh. Sammelband. 2spaltig. Mandevilles Reise umfasst 92 BIll. ın nd. Sprache, von denen das erste Blatt, das die Inhalts- angabe der Bll. 1—17 gibt, nicht numeriert ist. Bl. 1 ist nur zu einem Bruchteil vorhanden, Bl. 12 fehlt ganz. Bl. 89 ist auf der ersten Seite unbeschrieben, auf der zweiten befindet sich die Inhaltsangabe der folgenden lat. Hs.

Bl. 90—92 enthalten ein vollständiges Register der Man- deville-Hs. Dieses Register stammt nach einer Angabe am Schluss von einem Mönch Johannes Köp(?) aus dem Soester Orden Fratrum Predicatorum vom Jahre 1490.

Anfang Bl. 1%: Van den lande van ouer zee dat ıs to wet- tene dat hillige lant der geloffte vnder allen landen so ıs dit dat vterkorenste vnde dat werdigeste und vrolıkeste vnde ouerste van allen anderen landen

Schluss Bl. 884: vunde alle dinck entholdene welken nyn göt en mach vorbetteren noch nyn quät en mach ergeren de yn vullenkomener dreuoldicheyt leuet uvnde regneret yn der ewicheyt yn allen tyden eme sy loff vunde ere eweliken vnde jummermer. Amen.

Keine Alphabete sind in dieser Hs aufgezeichnet, u. zw. weil des en ıs nyn groet noet to wettene hir vmme laet ıck se staen (Bl. 15 a).

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Die unter © angeführten Hss sind sämtlich aus dem Mit- telniederländischen übertragen.

Ein kritischer Text der ndl. Mandeville--MSS ist, wie schon erwähnt, von N. A. Cramer herausgegeben. Die ndl. Ueberlieferung besteht aus folgenden Hss'

1. Leiden, Univ.-Bibl., Geel Nr. 661. 15. Jh. (=L)

2. Göttingen, Univ.-Bibl., Histor. 823 b. 15. Jh. (= G) 3. Brüssel, Königl. Bibl., Nr. 720. 15 Jh. (=B)

4. Haag, Königl. Bibl., Y 302 (1191). 1462 (= H)

Ausserdem hat Cramer den Druck vom Jahre 1470 (= I) zur Vergleichung herangezogen. Für seine Untersuchung benutzt er weiter zwei frz. MSS, die Leidener-Hs Vossianus Latinus 75 (=F) und die in Warners Mandewille- Ausgabe

abgedruckte Hs (= W).

Aus Cramers Untersuchung erhellt, dass es zwei ndl. Fassungen gegeben hat, beide aus dem Französischen über- setzt. Die eine, die das ganze Werk umfasst, ist vertreten von HIGB und dem letzten (grösseren) Teil von L (=Lb). Die andere, die nach den noch erhaltenen Hss zu urteilen fragmentarisch geblieben ist, findet sich nur im ersten (klei- neren) Teil von L (=La). Dass sie nicht etwa Ueberset- zungen einer und derselben frz. Hs. sind, geht aus verschie- denen Stellen hervor, an denen die beiden Fassungen er- heblich von einander abweichen. Im allgemeinen bietet die Version La die besten Lesarten; in einem Fall wird jedoch der Uebersetzer der anderen Fassung kaum, wie Cramer (p. XLIX) meint, seine Vorlage missverstanden haben, nämlich bei Cr. 21,9. In der frz. Vorlage von HIB stand unzweifel-

! Borchling, Erster Reisebericht, S. 174, verzeichnet ein von Cramer nicht beachtetes mndl. Mandeville-Bruchstück: Lüneburg, Stadtbiblio- thek, Mscr. D 25 (2). Rest eines Pg.-Doppelblattes in quarto. 15. Jh. 2spaltig. Anfang (entspr. Cramer 262,30): ander riuiere heet Nil och te Gvon. Dats te segghene in egypscher spraken tourble dat es donker.

er et 1a Tas Ar An nee er Bath Se ne SCH Be N a a a a er ae IE TER TI IT TR re

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haft, übereinstimmend mit den Brüsseler Hss 10420—5 und 11141, nicht remua, sondern remira, was der Üebersetzer richtig durch besach wiedergibt, während La die, wie es scheint, falsche Lesart remua mit dede beven überzetzt.

Binnen der erstgenannten Gruppe stehen HIG und BLb sich gegenüber, von HIG sind I und G näher verwandt. Für seine Textausgabe hat Cramer die Hs H als die zuverläss- lichste gewählt. |

Die deutschen Handschriften gehen sämtlich auf ndl. Hss der Gruppe HIGBLb zurück. Sie werden im folgenden bezeichnet: |

Ms. Germ. Fol. 550 = Be Ms. Germ. Quart. 271 = Br Ms. Germ. Quart. 322 = Bl Ms. Germ. Fol. 204 = Bi Ms. C8=Lü

Ms. Nr. 8 =S

(Das Fragment [Nr. 4] ist hier nicht berücksichtigt worden.).

Keine von den Lesarten, die Cramer als charakteristisch für La anführt, klingt in den deutschen Hss an. So ent- spricht z. B. die Lesart von HIG (Cr. 10,): Want een coninc die wilen was cofte dese heylighe jvwele jeghen enen keyser diese hem vercofte ouermids groten noot van gelde die hi hadde derjenigen von Be: Want eyn koninck die wilen was galt derse heilige jüwele ıntgaın eynen keyser de sy verkoichte ouermitz groisse nort van gelde die hie hadde, von Br: W. e. c. d. w. w. g. dıt cleynheyt wıidder e. k. d. s. eme v. 6. 9. n. v. g., von Bl: W. e. k. d. w. w. k. se tegen e. k. de do was de se in noden verkofft van geldes wegen de he hadde, von Bi': Wente in vore tyden was en konıgk de kofte desse clenode

! Wie im folgenden erwiesen werden wird, sind Bi und so eng verwandt, dass es im allgemeinen genügt, nur Bi anzuführen.

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vegen enen keyser de se em vorkofte vmme notsake van gelde de he do hadde, und von S: W.e. k. was vormals de koffte d. hildome kegen e. k.d. s. v. vmme g.n. de he hadde van gelde, während La hier bietet: Want een conınc hier voertijts die cochte dese heilige reliquien vegen die Joden die welke die keiser te wets geset had groter noot van ghelde.

Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als wenn H und die deutsche Ueberlieferung gegenüber IGBLb eine engere Gruppe bildeten. Bei Cr. 157,27 stimmt I mit dem frz. Text, bei Or. 159,20 und 172,8 gehen IB und F zusammen, während in diesen Fällen H und die d. Hss ihren eigenen Weg gehen. Im ersten und dritten Fall handelt es sich aber um kleinere Lesefehler (et, ende-want; coment ils le deyuent garir. hoe sine ghenesen sullen-h. hine g. sal), im zweiten um eine even- tuelle Lücke in I u. B. Der Vollständigkeit wegen seien auch folgende zwei Fälle erwähnt: bei Cr. 164,12 lesen IB tiden, H und die d. Hss jare; bei Cr. 186,17-30 bewahren wohl H und die d. Ueberlieferung die ursprüngliche Wortfolge, obgleich die von Cramer nach I vorgenommene Änderung : a priori berechtigt scheint.

In Wirklichkeit dürften von den deutschen Hss nur Bi und mit den noch erhaltenen ndl., und zwar mit der Gruppe HIG, näher verwandt sein. Sonst finden wir bloss einmal in S einen Wiederhall eines in H, I und G enthal- tenen Lesefehlers, nämlich bei Cr. 61,4 (HIG): Ende sult weten dat Jherusalem bi tiden wilen plach te heten Melch:- sedech ende plach ooc te heten Jhebus, entsprechend dem frz.: et poez sauoır que Jerusalem ancıenement vesque au temps Melchisedech estoit apelle Jebus. Hier bietet S: Iherusalem plach to heten Melchizedech vnde oeck Jebus vnde Salem gegenüber der richtigeren Lesart von Be (Br): I. wilne by tziden Melchisedech plach zo heyssen Iebus und der verstüm- melten von Bl: J. eyns plach to heyten Iebus. S ist indessen eine ziemlich späte Handschrift, die zahlreiche Lesefehler

—————n en Tr en GE EEE GE nn en —_ BT 2 m——n £ Pe =

Be nn . a TEN BE Pd 2 2 Zee

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enthält, weshalb diese isolierte Uebereinstimmung mit der Gruppe HIG auf die Rechnung des Zufalls geschrieben wer- den dürfte.

Bi und stehen, wie gesagt, dieser Gruppe sehr nahe. Den graphisch leicht erklärlichen aber sinnwidrigen Lese- fehler (Cr. 98,1): lande van Gherascens, die alle sijn omtrent deser Jordanen ende begrauen ane die zee van Tyberien finden wir in sowohl HIG als Bi und Lü. Ebenso gehen in dem oben erwähnten Fall (Cr. 61,3) BiLü und HIG zu- sammen, während an mehreren anderen Stellen die beiden deutschen Hss die ursprünglichen Lesarten besser bewahren als HIG.

Auf eine engere Verwandtschaft zwischen H und BıLü deuten eine Anzahl für diese Hss gemeinsame Lesarten. Ich führe hier an:

H (Cr. 4,33) bietet: volk ... van menigherande maecsele van lieden (statt leden).

Bi liest: schepnisse van luden.

H (Cr. 25,21) ergänzt: droech die sterke Sampsoen die poorten van der stat op een hoghe lant.

Bi ebenso: droch de grote Sampson de porte van der stad vp e. h. berch, während in den übrigen Hss v. d. s. fehlt. Auch in der frz. Ueberlieferung fehlt eine entspre- chende Lesart.

IGF (Cr. 74,#) erzählen vom Lahmen am Teiche Pro- batica Piscina, dass er 38 Jahre krank gewesen sei, BeBrS lesen 18, während H und Bi übereinstimmend die Dauer seiner Krankheit auf 14 Jahre herabsetzen.

H (Cr. 93,19) hat die falsche Lesart: dat wijfkijn van Cananee, van welker stat dat ewangelium hier of spreect. Bi liest: d.w.v. C(.vanwelkerstadd.e.s.

..——rnnfs

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Cramers nach GBF rekonstruierter Text lautet: d. w. v. O., daer d. e. o.s. Be und Br bieten Varianten, die uns über die Entstehung der Lesarten von H und Bi belehren, näm- lich: wijfgyn (w. uan Br) O. van der wilcher dat euange- lium (d. der euangeliste Br) spricht. Ä

H und Bi (Cr. 107,3) lesen: (in) menigher (hauene), während die übrigen Hss bieten: enigher, eynen u. Ss. w. Dass Bi und nicht auf H zurückgehen, erhellt aus einer Reihe von Fällen, in denen H verdorbene Lesarten oder Lücken aufweist, Bi und hingegen Richtiges bieten.

Unter der gesamten ndl. und d. Ueberlieferung dieser Version nimmt die Hs Be eine Sonderstellung ein. Wahr- scheinlich ist sie die älteste, ein Umstand, der bei der Be- liebtheit von Mandevilles Reise und dem daraus folgenden raschen Umsatz der Abschriften nicht belanglos ist. Ab- gesehen von solchen Verschreiben und Lücken, die in den meisten Abschriften vorkommen, dürfte diese Hs ein im ganzen zuverlässiges Bild der ursprünglichen Lesarten lie- fern. Ihr am nächsten an Ueberlieferungstreue kommt unter den deutschen Hss Br und unter den niederländischen H. Be und Br stehen einander nahe, oft gehen sie bis in Einzelheiten zusammen, ohne jedoch von einander abhängig zu sein. Br ist aber nicht so genau wie Be; unwesentliche Worte sind oft übersprungen, Lesefehler kommen nicht Sel- ten vor. Der Schreiber hat sich sogar einige kürzere Inter- polationen erlaubt. Gegenüber HBeBrBiS nimmt BI eine verhältnismässig selbständige Stellung ein. In einem der obenerwähnten Fälle (Cr. 74,3) z. B. gibt Bl (nebst IG) die richtige Zahl 38, während HBi einerseits und BeBrS ander- seit UDEIeaBe Angaben gewähren. In zwei anderen Fällen (Cr. 171.2: van dyen lande und 185,27: volc), sind nur I und Bl vollständig u. s. w.

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Es ist nicht ausgeschlossen, dass zwischen Br und S eine etwas engere Verwandtschaft besteht. Darauf deuten mehrere in diesen Hss vorkommende Lesarten. Es handelt sich in- dessen hauptsächlich um kleinere Abweichungen, die sich rein graphisch erklären lassen oder aber ganz zufällig ent- standen sein mögen. Ich führe an:

Von der am Christi Kreuz befestigten Tafel für die In- schrift wird angegeben, dass sie anderthalb Fuss lang sei (Cr. 8,1). Br und S wissen Genaueres zu erzählen über die Grösse der Tafel, jedoch stimmen ihre Masse nicht ganz. Br berichtet: nde was eynen vüis breyt jnde eynen haluen lanc und S: eynen haluen voet breyt unde eynen voet lanck.

Die ndl. Hss lesen (Cr. 93,5): Ende daer omtrent loopt een riuiere Torrens Asson, diemen anders heet Torrens Ra- daunm. Br (SBiLü) kurz und gut: hervmb löuft dat riu:- ere dat man heyst Torrens Radamy,.

Cr. 109,25 ist vom Lande Cananee' die Rede. BrSBiLü lesen: dal uan Ü. statt lant u. Ü.

Cr. 134,1-3 verwechseln Br, S und H slenker und rechter.

Cr. 149,11 lesen S und H bouen, Br äuen für binnen.

Cr. 177,37 bietet H (u. Be): Van deser stat gaet men te water spelende ende solacerende, Br und S: spe- lende inde spacieren, B: op dwater spacieren, Bi: spaceren vmme Llusticheit und Bl: geyt men spelen.

Da die Hss Bi und eine interessante Ueberarbeitung des ndl. Mandeville bieten, habe ıch sie sprachlich und in- haltlich näher untersucht. Wie schon erwähnt, weist Bi ein einheitlicheres Gepräge auf als Lü. Obwohl der letzte (grös- sere) Teil dieser Hs mit Bi gleichwertig ist und auch der

! Cramer nur so. Die d. Hss lesen Camilee, Camle, Damiloe u. 8. w. Jacques de Vitry: Camela seu Chamele. Vgl. Hamelius, M. T., II: 150.

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erste Teil in einigen Fällen bessere Lesarten liefert, hat die Hs Bi als Ganzes betrachtet den Vorrang. Von S. 121 in (—= Anfang von Hand 2) stimmen die beiden Hss fast buch- stäblich überein: dieselben Buchstaben gross geschrieben, rot durchstrichen oder sogar dieselbe auffallende Form bei gewissen Buchstaben. Es ist demnach nicht unwahrschein- lich, dass Bi und ohne Zwischenglieder auf eine und die- selbe Vorlage zurückgehen. Wie mehrere kleinere Lücken und Verschreiben in Bi zeigen, kann keine Abschrift von Bi sein; wir dürfen deshalb annehmen, dass Bi d.h. Hand 1 nicht nur den Sachinhalt, sondern auch die grosse Mehrzahl der sprachlichen Eigentümlichkeiten der gemein- samen Vorlage (= N) bewahrt. Um ein sichereres Bild der Sprache von N zu gewinnen, habe ich Bl. I-78 von Bi genau untersucht und mit den entsprechenden Seiten von verglichen.

Soviel ich sehe, muss der Grundcharakter der Sprache von N nordniedersächsisch gewesen sein. Indessen kommen - in Bi und Wörter und Wortformen vor, die der nd. Ge- meinsprache fremd waren, wenigstens zu der Zeit, wo N ent- standen sein mag, d. h. um 1400. Die wichtigsten Abwei- chungen sind folgende:

Das Verbum sollen wird mit anlautendem s geschrieben. Nur 7 Belege kommen ın Bi für schal vor und 2 für scholde.

Ausser der synkopierten Form hef(f)t für die 3. Person Sing. vom Verbe hebben ist die ältere Form heuet sehr häufig. Das Verhältnis von heft und heuet ıst in Bi etwa 4: 3. Auf Bl. 686—78b hat Bi in Uebereinstimmung mit nur heuet (8 Belege). Es ist wahrscheinlich, dass die letztere Form in N häufiger vorkam, als aus Bi zu ersehen ist. Einmal hat Bi nämlich heft, während die Hs Lü, die die Ueberlieferung stellenweise treuer als Bi zu bewahren scheint, heuet schreibt.

Sowohl die Formen mit anlautendem s im Verbe sollen wie auch die Häufigkeit der Form heuet sprechen für ent-

En e 4 2 D JB m nn nn nn nn

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weder westfälisches oder nordöstliches Sprachgebiet. Nach Tümpel' behauptet sich mnd. hevet bis nach 1400 nur in Westfalen und den Ostseeprovinzen, ist aber auf dem übrigen Gebiet durch heft verdrängt. Von dem Westfälischen kann in diesem Fall keine Rede sein, wie die alleinherrschenden wol, vrunt und die nicht seltene Vorsilbe :r- gegenüber den gewöhnlichen westfälischen wal, vrent, vrınt, vront und er- zeigen. Bleibt also übrig dıe nd. Sprache in den altpreus- sischen Provinzen, den Ostseeprovinzen, den deutschen An- siedelungen in Russland u. s. w., wo sal, solen, sulen und heuet häufig sind ”.

Nach Bi und zu urteilen, wurde in N regelmässig ein- faches y an- und inlautend (in der Gemination -gg-) ge- braucht, was sehr gut mit der Orthographie des nordöstlichen Gebiets stimmt.

Für den Osten spricht ferner der Umstand, dass in Bi und ein ganz besonderes Interesse an russischen Verhält- nissen bekundet wırd. Die Wiedergabe des russischen Alpha- bets nebst den Namen der Buchstaben kommt m. W. in keiner der übrigen Mandeville-Hss vor. Ebenso fehlen in den mir bekannten Hss die Erwähnung von Nowgorod, Moskau und Pleskow wie auch ein Passus von dem Handelsweg der Rus- sen nach Damaskus und Elcay. Ich führe hier nach Bi die betreffenden Stellen an:

(Cr. 110,12) So tuth men erst vth dorch Alkali edder dudesch land uvnde dor Bemen vnde also vort wente in Prusen vnde vort ın Littouwen, so men vort ouwer dat Tatersuelt datsere groetvnde wıjt is.

(Cr. 111,23) dar by solde ik des nıcht konen recht seggen edder wol vorclaren. Wente alse de russen willen treckenvan Nougardenoftevan Muschouwen

1 Niederdeutsche Studien, Bielefeld u. Leipzig 1898. 8 23.

2 Vgl. Lasch, Mnd. Gram. Halle 1914. $ 443, und Tümpel, Nd. Studien, 8 24.

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ofte van Plescow edder vth anderen steden vth Russland ofte vth Lethouwen, deto Caffa ofte vort to Damasko willen myd erer kopen- schopoftevortto Iherusalem edder noch vor- der wente to Elcay ın Egipten, dar plegen se woltho trecken, wente Russlandt is eyn sere groetlantvnde ditere boeckstaue in rusch. Wie zu erwarten, ist die frz..ndl. Abstammung nicht ohne Einfluss auf die Sprache von N gewesen. Er macht sich hauptsächlich bemerkbar durch eine Anzahl Lehnwörter, die allerdings in Bi häufiger vorkommen als in Lü, wo sie teilweise von Hand 1 durch geläufigere niederdeutsche Wör- ter ersetzt oder einfach ausgemustert worden sind. Ich führe hier einige Belege an: Bl. I@: gedestrueret, vorstoret Cr. 1,7 ghebenedijt, BiLü g(h)ebenediet; Cr. 84.24 bene- dietien, benedizie, benedixen | Cr. 38,1 (= Lü) conduten, Bi caduten » 43,31 (= Bi) serpenten, serperten » 49,23 root, Bi rot, röt (Nebenformen in Bi u. ritze, [steen Jrutze) Cr. 51,31 celebree(r)t, Bi celebrerde, f£. » 56,19 spelunke (= BiLü) » 96,15 transfigureerde, BiLü transfigurerde. Auf hochdeutschen Einfluss deuten folgende Belege in Bi und Lü: Bi Bl. 162 hat sch (Lü hadde ik); Bl. 66% jch (= Lü) » » 29% mych (Lü my) 18 Belege für sich, 3 Belege Bl. 22b thut, (Cr. 40,7 doet, deyt) » » 60% tormen (=Lü; Cr. 108,10 toornen). Die hd. Formen waren vielleicht in N häufiger als aus Bi direkt hervorgeht. Den 3 Belegen für sich ın entsprechen nämlich s:k-Formen in Bı.

Y

NZ

63

Schliesslich sei hier auf eine graphische Eigentümlich- keit verwiesen, die auf N zurückgehen muss, da sie nicht nur in Bi auftritt, sondern auch von Hand 2, Lü, gebraucht wird. In einigen Fällen hat der Schreiber den Nasalstrich vergessen oder vielleicht absichtlich ausgelassen. Letzteres kann im Wort für König (konigk, konick, konig) der Fall sein. Die Formen ohne Nasalstrich sind in ungefähr doppelt so zahlreich als die mit diesem Strich. Eine laut- liche Erscheinung liegt wohl kaum dieser Schreibung zu- grunde, denn die flektierten Formen haben überall den Ab- kürzungsstrich, und penningk, penninge weisen die regel- mässigen Formen auf.

Bi, Hand 1: Wegen der Treue, mit welcher Hand 1 der Vorlage folgt, lassen sich schwerlich dialektische Eigentüm- keiten nachweisen, die von denjenigen abweichen, die in N vorhanden waren. Die Form mit Langvokal von vallen (VII. Abl.-Reihe) ’, für die ich in Bi 3 Belege gefunden habe (veel Bl. 338, g(h)eveel Bl. 67b, 71b) nebst 3 Belegen mit Kurzvokal, kann für die Lokalisierung nicht gebraucht werden. Nach Sarauw ıst das Präteritum von vallen in gewissen Quellen auch vel, z. B. in der Bremer Chronik öfters veel geschrieben. Die Formen mit langem Vokal scheinen indessen weitere Verbreitung gehabt zu haben; sie kommen z. B. im Bienen- buch vor‘, weshalb nichts dagegen spricht, dass sie schon in N zu finden waren und in durch Hand 2 in die ge- laufigeren Formen mit kurzem Vokal geändert wurden.

Bi, Hand 2, hat der Sprache von N ein mehr gemein- niederdeutsches Gepräge verliehen. Belege für sal, solen,

! Lasch, Mnd. Gram. erwähnt diese Form nicht.

? Niederdeutsche Forschungen I (Det Kgl. Danske Videnskabernes Selskab. Historisk-filologiske Meddelelser V, 1. S. 181).

® Vgl. N. O. Heinertz, Die mnd. Version des Bienenbuches von Thomas von Chantimpre. Lund 1906, p. XXXIX.

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heuet sind seltene Ausnahmen. Im übrigen scheint dieser Teil der Hs eine getreue Abschrift der Vorlage zu bieten.

Bi, Hand 3 u. 4 verraten keine dialektischen Merkmale über N hinaus.

Lü, Hand 1. Das beste Bild der Sprache von Hand 1 lie- fern einige Stellen, die wir weder in Bi noch in den ndl. Hss finden, somit wohl für Interpolationen halten müssen. Die wichtigsten werden hier wiedergegeben:

S. 24 (Cr. 9,32): (Helena wedder vant) vormiddelst der bedrouwinghe der iwoden, de ıd vort an seden vp Judas Machabeus, de id myt groter noet vnde bedwenghinghe moste apenbar doen, welkere Helena eyne moder was

S. 48 (Cr. 33,31): (xxx1j dieten). Desse sulue Machmet de leet sık holden vor (lod, vnde do he vornam, dat he scholde steruen, do sede he, dat he na dem dode wolde vpstan vnde wolde to hemmel varen. Des so leet he(de) dessen vorbenomen tempel weluen myt seghelsten. Vnde do he ın den sarck lach, ‚do toch de seghelsten den sark to sık an dat welffte myt dem lıcham etc.

S. 57 (Cr. 41,8): (so worde ere krafft to nichte). Vnde de wachtere des balsamen de seden desse affgheslaghen twighe vnde dat se dar uth ghewynnen, dat ıs ere ghenoet. Dat uor- kopen se den crısten heren vnde vorsten de dar wanken. Des- sen balsem brınghen se hyr in dyt landt, men selden kumpt hir van dem besten.

Die obigen Stellen dürften ausreichen, um die Mundart ‚des Schreibers festzustellen. Sie war zweifelsohne Nord- niedersächsisch. In der Tat begnügt sich der Schreiber nicht damit, die ihm fremdartig klingenden Wörter und Wort- formen seiner eigenen Mundart anzupassen, seine Tätigkeit greift auch in die Phraseologie ein, wobei er allerdings nicht ganz konsequent bleibt. Ä

Lü, Hand 2 folgt, wie schon erwähnt, treu der Vorlage, ohne eigene dialektische Eigentümlichkeiten zu verraten.

65

Die nd. Version N ist eine etwas gekürzte Uebertragung der vollständigen ndl. Fassung. Die Kürzungen bestehen meistenteils darın, dass der Uebersetzer hier und dort für die Auffassung des Gelesenen unwesentliche Wörter.oder Aus- drücke weglässt. Mehrere Male ist aber auch für den Zu- sammenhang Notwendiges übersprungen. Die für unsere Kenntnis von Mandevilles Person wichtige Angabe seines Geburtsortes fehlt in sowohl wie Lü. Einige grössere Lücken, entsprechend etwa zwei Spalten in Cramers Aus- gabe, kommen im Text vor. Sie scheinen indessen nicht mit dem Willen des Uebersetzers entstanden zu sein, eher sind gleiche oder ähnliche Ausdrücke oder Worte Schuld an dem Uebergleiten des Auges.

Die Hauptabweichungen der Version N von der ndl. Fassung sind folgende: |

Ein Kapitelverzeichnis, wie es N gehabt haben muss, findet sich in den ndl. Hss nicht, wohl aber enthält I ım Texte Kapitelüberschriften, die jedoch von denen ın Bi und verschieden sind. Auch in B treten ein paar mal Text- überschriften auf. Die in Br und S vorkommenden Inhalts- übersichten haben mit denen von Bi und nichts zu tun.

In den ndl. Hss sind nur 6 Alphabete verzeichnet, während Bi 17 und 16 wiedergeben. Welche Rolle die Alphabete, die in den meisten Mandeville-Hss auftreten, ge- spielt haben, ist nicht leicht zu sagen. Ich halte es jeden- falls für wahrscheinlicher, dass sie ursprünglich eingefügt worden sind, um dem Ganzen ein zuverlässigeres Gepräge zu verleihen, als dass sie, wie Hamelius' es für möglich hält, zu geheimen Mitteilungen gebraucht vurden, also eine Art Chiffreschrift darstellten. Vorausgesetzt dass Mandevilles Reise aus der Feder des Jean d’Outremeuse geflossen ist, ge- nügt es, auf die von ihm bekundete Manie hinzuweisen,

ı M. T., II: 22. 5

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seine Kompilation mit Dokumenten aller Art zu bereichern. In der Einleitung zu Ly Myreur, p. CLVII, hebt Bormans diesen Umstand hervor: »A cet effet, il rassemble les chartes, les paix, les diplömes et les transcrit dans sa chronique. Mal- hereusement, ce n’est pas pour invoquer leur autorit& et pour appuyer ce qu’il avance de preuves autentiques qu’il s’est donn& cette peine. Le plus souvent, ces actes sont tout sim- plement intercales dans son texte, et en bien des endroits on constatera que son r&cit se trouve en contradiction formelle avec eux.»

Die Wiedergabe des russischen Alphabets ın und kann bei dem regen Handelsverkehr der Hanse nach Russ- land einem rein praktischen Zweck gedient haben.

Für einige Lesarten in den beiden nd. Hss finden sich keine entsprechenden Stellen in den übrigen Mandeville- Manuskripten, was natürlich nicht ausschliesst, dass die be- treffenden Lesarten der Hs N aus ihrer ndl. Vorlage über- nommen worden sind. Die wichtigsten werden hier nach Bi angeführt:

Cr. 6,20: (valt dar in eyne see) de heet Maere Maiora, vmme dat dar nene eylande jnne en lıggen. V ppe der suluen see lıggen Caffa vnde Constantinople etc. Dar lopt de Dunow ın

Cr. 6,3: (see water). Ouer dyt sulue water ten ende van der Dunow was dar Sunte Oristoffer unsen heren ouer droech.

Cr. 59,11: (iii7 dage de sterne to voren geseen). Vnde wo verne dat elk van Cassath was beseten bed ın syn land, viınt men wol eyn deel ın dessem boke vor vnde na gescreuen.

Cr. 80,8: (dar wert komen). Dar aff ıst ghekomen, dat de balijtres monyoyen maken, dar se hılge stede seen.

Die Einschiebsel nach Cr. 110,12 und 111,3 sind schon er- wähnt worden.

Fast überall folgt die nd. Erzählung der niederländischen, nur einigemal finden wir bemerkenswertere Umstellungen. So hat z. B. die Schilderung der ägyptischen Verhältnisse

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(—= Cr. 39,77—40,1) ihren Platz unmittelbar vor der Ge- schichte vom heiligen Anthonius (=(Ür. 38,3) erhalten. Ebenso finden wir die Grabinschriften (= Cr. 64,30-37) erst nach der Erörterung von Jesu Alter (=Cr. 65,18) und den Bericht über die Versteinerung von Loths Weib (= Cr. 86,36 —-87,1ı) unmittelbar nach der Erwähnung der Äpfel, die in- wendig voll Asche sind (=Cr. 86,11).

Nicht selten bedient sich der nd. Uebertrager sinnver- wandter Worte wegen der Prägnanz des Ausdrucks. Der ndl. Uebersetzer hat dieselbe Metode benutzt, indem er Ein frz. Wort durch zwei oder sogar drei ndl. Worte wiedergab (Vgl. Cr. p. LVII). Ich verzeichne hier nach Bi eine Reihe solcher Parallelworte:

Or.: 5,22 ouer zee, Bi ouer see ofte ouer meer » 12,23 ghedestrueert, Bi gedestrueret vnde vornich- tıget

» 13,21 letteren, Bi litteren ofte boekstaue

» 18,20 figure, Bi figuren ofte staltnısse

» 21,32 hoochtide, feste vnde hochtide

» 33,31 payene, Bi heiden ofte payenen

» 38,19 monstrum, Bi derte ofte creature

» 61,33 condute, Bi caduten edder rennen

» 74,15 tumbe, Bi tumme ofte graff

» 90,17 cysterne, Bi putte ofte kule

» 102,28 nubiens, Bi nubi, dat sint swarte marianten » 110,17 trıbuut, Bi tributh ofte tyns.

Dass die frz. Versionen auf dem Umwege über das Nieder- landische manches von ihrer Ursprünglichkeit eingebüsst hat, darf nicht Wunder nehmen. Statt Mayroche (= Ma- rokko) lesen Bi und (eylande van) Maiorke, statt Assirien: Sirien, statt Romanien: Rome. Aus dem dorren Baume (lV’arbre sec) ist geworden Seths Baum, aus der Ebene

I Vgl. Zarncke, Der Priester Johannes, 2. Abh. S. 127 u. Cramer, De Reis, S. 282.

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Mageddo: (dat velt) der megeden u. s. w. Vermutlich über- nahm N einen beträchtlichen Teil dieser Missverständnisse aus der ndl. Vorlage.

Zum Schluss ein paar Worte über den nd. Uebertrager und das Alter seiner Uebertragung. Wer er war, wissen wir nicht. Nur könnte man mit Leitung einer der Interpola- tionen falls die fragliche Stelle nicht auf dıe ndl. Vorlage zurückgeht versucht sein, einen Geistlichen als Ueber- setzer zu vermuten, denn das Einschiebsel nach Cr. 6,3 verrät deutlich ein religiöses Interesse. Der Sprache nach ich denke besonders an die Häufigkeit der Form heuet dürfte die Verdeutschung erheblich älter sein als die Hs Bi, die im Jahre 1430 geschrieben ist. (Lü ist, wie es scheint, jünger.) Wahrscheinlich wurde die Uebertragung am Anfang des 15. Jhs. bewirkt. Die vollständige ndl. Version muss ım 14. Jh. gemacht worden sein, da vor 1400 geschriebene deutsche Hss auf ihr beruhen. Cramer versucht auf p. LXIII £. die Entstehungszeit der vollständigen ndl. Fassung genauer zu

bestimmen, indem er von der zweiten Eroberung Jerusalems.

im Jahre 1244 ausgeht. Werden dazu die 134 Jahre gelegt, während deren die Ungläubigen laut der ndl. Version das heilige Land besetzt hielten, ergibt sich das Jahr 1378, eine an sich nicht undenkbare Abfassungszeit. Die Vorausset- zung ist aber, dass der ndl. Uebersetzer absichtlich eine andere Zahl als die der Vorlage in seinen Text eingeführt hätte, was wohl kaum der Fall gewesen sein wird. Eher dürften die Zifferangaben hier, wie an verschiedenen anderen Stellen in den ndl. Versionen, verstümmelt sein. Da die Brüs- seler Hss 10420—5 und 11141 v17?? et xziwij lesen, ist letz- teres um so wahrscheinlicher.

% *

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Wie zu erwarten, bewahren manchmal die d. Hss, nament- lich Be und Br, die ursprünglichen Lesarten besser als die ndl. Ueberlieferung. Bei der Rekonstruktion des ndl. Tex- tes (Vgl. Cr. p. LXIV) hätte Cramer verschiedene Irrtümer und Mutmassungen vermieden, wenn died. Ueberlieferung zu Rate gezogen worden wäre. Eine Anzahl der ın den ndl. Hss vorhandenen Lücken werden durch die d. Hss ausgefüllt. Ich führe hier einige Beispiele an. Wo nicht anders bemerkt ist, stammen die Belege aus Be.

In den Anmerkungen zu 5,39 bemerkt Cramer, dass fle- sven vielleicht schon in der frz. Vorlage mit anlautendem f geschrieben war. Aber Bl, Bi u. schreiben Slesien.

Während auf S. 41,14 die offenbar falsche Lesart von H velt, entsprechend dem frz. lieu, im Text beibehalten wird, (IGBeBrBlBiLüS lesen lant, land u. s. w.) ändert Cramer S. 89,14 die richtigere Lesart von H Helena ende Anna, Sa- muels des propheten moeder woonde nach der falschen Lesart von G ouders woonden. Sämtliche d. Hss stehen hier auf der Seite von H: da Helcana vnde Anna, Samiel des propheten moder, woonden, und zwar mit Recht, wıe aus dem entsprechenden lat. Text Boldenseles hervorgeht: in montem Ephraim altum, ubi Helcana et beata Anna, Samu- eliss mater, commorati sunt.

Cr. 68,10-11 Lücke in H, die nur teilweise durch I aus- gefüllt wird. Be bietet: vnde in die mure van dem gasthause so sinre liiız die dat huis haldende sin uvnde van deisen gast- hause zo gane |

Cr. 95,10 Lücke in allen Hss ausser Be: vnde in zwen milen na Nazareth is (Be i) de stat van Segor vp dem weige van Nazareth zo Acon wert.

Cr. 124,10 Sämtliche ndl. u. d. Hss sind an dieser Stelle lückenhaft; Be ist, wie gewöhnlich, vollständiger als die übrigen: die ouerste Libie wilch lant van Libien an die spaensche see

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Cr. 141,30 Das dem frz. lede entspr. Wort fehlt. Be (u. Bl.): manige Iyliche figure.

Cr. 162,» Die d. Hss stimmen besser mit dem frz. Text als die zur Ausfüllung der Lücke benutzte Hs B. Br bietet: jinde wist dat mastic ıs dat selue uan den nüssen müsschäten.

Cr. 168,33 Die Wortstellung der d. Hss (Br): geyt man van eylande zu eylande cen mere dürfte die ursprüngliche sein.

Cr. 170,2 Lücke. Be liefert die beste Lesart, aber auch Br, Bl und S sind vollständiger als die ndl. Hss. Be bietet: in maneire van einen pater noster vnde in die manerre dat wir sagen pater noster und aue maria mit pater noster van ambre.

Cr. 171,41 H liest dicken, von Cramer durch verdrincken ersetzt. Die d. Hss lesen (be)decken.

Cr. 175,3 Lücke. (Br): inde si wennen kinder als si wir- ken mans werc inde

Cr. 180,24 Nach Ergänzung durch die Hs B bietet der ndl. Text: also die liede daer segghen, entspr. dem frz. si com ıls de la cite dient. Be richtiger: als die lude van deiser - stat seluer sagent.

Cr. 191,3 Lücke in H, durch B ergänzt. hors de tot subiec- tion wird in den d. Hss durch einen Parallelausdruck wieder- gegeben: eygen noch vnderdeinich.

Cr. 216,32 Lücke. Die zu erwartenden Worte uan golde finden sıch in der d. Ueberlieferung.

Cr. 218,7 Lücke, die durch die d. Hss ausgefüllt wird. Br liest: of andre ouch want dar is wenich dar man ın schü- len mach. Ä

Cr. 223,16 Lücke, die nur teilweise durch B gedeckt wird: streickit sich van den bergen van Caldee oısten wert.

Cr. 225,20 Alle ndl. u. d. Hss ausser Be lesen an dieser Stelle onder die gheslachten, entspr. frz. entre les moun- taıgnes. Be: vnder dat geberchtze.

[B\

Cr. 228,7 Lücke: mer griffone dan elder.

» 232,15 » : die ın vre sprachen heıssent parsıcast.

» 245,2 » . Dass der ndl. Uebersetzer seine frz. Vor- lage nicht missverstanden hat, wie Cramer es für möglich hält, geht aus den d. Hss hervor. Br. bietet: sine scholt nyet gequist in hedde also waıl als of he in hedde willen döden.

©. 250,11 Die Lesart von H: dat niet volmaect kersten en sıjn noch 0oc gheloue en hebben wırd von Cramer geändert in Uebereinstimmung mit dem frz. Text: gıls ne sotient crıs- tiens et qıls neyent loı parfite. Es ist aber fraglich, ob nicht schon die frz. Vorlage mit der Lesart von H stimmte, denn auch die d. Hss setzen volmaect als Bestimmung zu kersten: dat sy neit goide vnd volmaichde kirstene ın sin noch ouch gelouue ın haint.

Cr. 261,2 Lücke. Br: dar Adam inde Yeue vnse eirste uader ınde müder in woren gedoın.

Cr. 262,27 Lücke. Br: jnde sülcher stat heyst man se Ganges vmb eyns conınz wille de Gangares hies. Want si löuft dürch sıjn lant. Jnde dit r.

D. Eine lateinisch-deutsche Version.

Göttingen, Universitäts-Bibliothek, Cod. hist. 61, £ol. Papier. 15. Jh. Sammelhs. 489 SS. Die Hs ist von verschie- denen Händen in Norddeutschland geschrieben. Der Inhalt von S. 1—79 (in lat. Sprache) ist fast ganz aus Mandeville ausgeschrieben. Viele nd. Uebersetzungen sind beigegeben, meistens mit proprie, so z. B. (S. 48) Alpes... vocantur pro- prie de dudeschen berge offte de sneberge, und die Menschen sind dort guturosı proprie kropwalen. |

S. weiter Verz. d. Hss im Preuss. Staate. I Hannover. 2 Göttingen 2. Berlin 1893. S. 19 fi.

INHALT.

Seite = "VOLWOrt este 3 Einleitunp. unserer 1)

Die deutschen Handschriften................esesesesennonnonnnneoneene 11 Die Uebersetzung Ottos von Diemeringen..............rsseree... 13 Michel Velsers Uebersetzung................ess0ssoessnenonneneeenenee OL Uebertragungen aus dem Niederländischen ..................... 48 Eine lateinisch-deutsche Version .........s2rs0sssnssnnnnnnnnnnnunenn 11

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